Montag, 12. Juni 2017

Ylva, Teil 2


Dies ist der zweite Teil des Berichtes zu meiner Altdeutschen Hütehündin Ylva.
Im ersten Teil hatte ich berichtet, wie sie zu mir gekommen war und wie schwer sie sich tat ans Hüten zu kommen.
September 2013 wechselte meinem Arbeitsplatz.
Es ging zurück in meinen Ursprungsbetrieb.
Ylva, nun eindreiviertel Jahre alt, kam mit.
Sie war mein Hund.
Und immer noch war ungewiss ob aus ihr ein vernünftiger, verlässlicher Hütehund werden würde.
Mein Vater hatte viele, viele Jahre der Erfahrung zur Hundeausbildung.
Und er bildet nicht nur Hunde aus die ihm liegen, die zu ihm passen.
Jeder Hund der als Welpe kommt wird fertig ausgebildet.
Er verlässt den Hof nur als gerichteter Hund in ein neues gutes, passendes Zuhause.
Damit hat er sich einen Namen gemacht.
So mit weiß mein Vater, auch wenn es nicht seine Favoriten sind, wie man mit Seelenhunden umgeht.
Ich bekam hilfreiche Tipps.

Mal wieder eine kleine Exkursion ins Hütegeschehen.
Einfaches Hüten, dass ist ein rechtwinkliges Stück mit klaren Grenzen, genau groß genug, dass die Herde weit verteilt Fressen kann.
Hunde auf die Grenzen, Ruh ist.
Solche Flächen gibt es auf den Mooren, Heiden und Magerrasen in Schleswig-Holstein nicht.
Und wenn doch?
Zaun drum. Heim geht’s.
Habe ich unübersichtliche Fläche, die es zu Hüten gilt, muss ich das Hütebild gestalten.
Ich fange morgens mit dem schon abgefressen an und steigere die Futterqualität über Tag. Es gibt eine Stellpause zum Verdauen. Abends vor dem Einsperren kommt das Beste. So fressen die Schafe die ganze Hütezeit, sind abends satt.
Beim Weiden ist auch immer Bewegung.
Diese gilt es zu steuern. Lasse ich die Schafe zu schnell, fangen sie an Futter zu zertreten, verschleifen. Halte ich sie zu doll, stellen sie das Fressen ein.
Die Bewegung der Herde kann man sich so vorstellen:
D)).))
Das D)) ist die Herde mit der Fressrichtung >.
Die unterstreichende Linie ist die Mannseite, also die Seite auf der ich mich bewege. Ich bin der Punkt.
Der unterstreichenden Linie gegenüber liegt die Außenseite, dem Schäfer gegenüber.
Der Mann- oder Beihund arbeitet die Mannseite.
Der Haupt- oder Halbenhund arbeitet die Außenseite.
Der eigentliche Druckpunkt ist aber die Fressrichtung der Schafe.
Hier wird das Hütebild entschieden.
Hier ist die meiste Arbeit für den Hund.
Er kann da pendeln und langsam erweitern oder er kann durch Kommandos dort immer wieder vor halten.
Zum Teil habe ich die Außenseite nicht mal durch einen Hund besetzt, da der Hund, der vorhält, durch etwas weiteres schicken die Außenseite mit abdeckt.
All das braucht keine realen Grenzen, kann in völlig grenzfreiem Raum statt finden.
Wobei natürliche Landmarken wie Gräben, Wälle, Wege, Vegetationsunterschiede, Baumreihen usw immer hilfreich sind.

Zurück zu Ylva.
Ich schilderte meine Probleme mit ihr und bekam neue Regeln.
Auf der Mannseite durfte sie noch mit dem Althund pendeln.
Jedes Mitlaufen beim Schicken der Althunde wurde verboten.
Ich schickte sie auf Kommando am D der Herdenfront entlang.
Wie schon zuvor lief sie ein paar Meter, mal auch ein paar Meter mehr, und kam dann wieder.
Nun sollte ich sie auf keinen Fall mehr abrufen.
War ich nicht sicher, dass sie nicht so weit laufen konnte, wie sie wollte, wurde sie nicht geschickt.
Das hieß, ich musste die Form der Herdenfront im Auge behalten, eine möglichst lange, gleichmäßige Front ohne Lücken erarbeiten.
Außerdem war meine Platzierung wichtig.
Meine Position ist wieder der Punkt:
D))).
Schicke ich nun den Hund an der Herdenfront entlang, läuft er weiter.
D.)))
Schicke ich nun den Hund an der Herdenfront entlang, läuft er nicht so weit.
Ylva lief also und irgendwann kam der Moment, an dem sie stoppte, da auch mal ein Schaf packte.
Nun rief ich. Nicht ihren Namen, tiefe Stimme und Variationen in der Wortwahl.
Z.B. „Hooo“ oder „Guuuut“.
Sie sollte sich bei ihrem tun nicht ausgebremst sondern begleitet fühlen. Gleichzeitig sollte sie sich nicht so an den Ruf gewöhnen, dass sie es wieder ausblendete.
Auf dem Rückweg gibt es irgendwann den Punkt, an dem es den jungen Hund lockt, nochmal an die Schafe zu fahren oder umzudrehen und neu zu rennen.
In diesem Moment nahm ich sie mit Lob stimmlich wieder auf.
Sie kam zu mir zurück.
September 2013 Ylva wehrt die Herdenfront

Es war der Hammer!
In was für einer kurzen Zeit sie immer weiter lief, frei wurde.
Innerhalb ein paar Wochen rannte sie immer bis zum Ende der Herdenfront, überwand dabei auch Lücken in dieser.
Ich selbst musste beim Schicken nun mehr darauf achten, dass die Herde auch wirklich weit genug stand. Dazu musste ich mich auf der Mannseite immer weiter zurück positionieren, damit sie mir nicht zu weit rannte, auf der Außenseite in die hinteren Flanken der Herde knallte und so das Herdentempo wieder vergrößerte.
Dezember 2013, die Herdenfront kann nun jede Weite haben

Ylva zeigte einen schönen, kräftigen Rippengriff der bei den Schafen ordentlich Eindruck machte.
Zur Notwendigkeit des Griffes beim Altdeutschen Hütehund hatte ich schon geschrieben:
Nach zwei Monaten hatte ich einen Hund der sich verlässlich schicken ließ und mit Spaß und Druck arbeitete.
Nun forderte ich auch wieder ein, dass sie beim Schicken auf jedem Punkt abrufbar war.
Dazu ermutigte ich sie, dass sie auf dem Rückweg auf Aufforderung anpackte.
Dazu das Kommando: „Do grad!“ Da gerade jetzt.
"Do grad" ein schöner Rippengriff

Weiterhin wollte ich aber immer, dass sie ganz zu mir zurückkehrte und schickte sie, wenn dann nötig, neu los. Auf halbem Rückweg umdrehen und nochmal laufen wäre mir ein zu großer Schritt in die Selbstständigkeit, die ich in dem jungen Alter einfach noch nicht zulasse. Zu leicht habe ich einen Hund, der dies bei jedem Schicken einfach so macht.

Zu Ylva hatte ich immer noch zwei der drei Ms aus dem Betrieb dabei.
Melle, Murla und Marlis.
Melle, 12 Jahre, gelbbackiger, strobeliger Stumper, Keulengriff. Sie war die Betriebsälteste, hatte unglaublich viel Erfahrung, arbeitete mit Überblick, wusste um was es geht. Aber sie war nie die druckvollste und nun war sie Uroma.

Dezember 2013, Melle

Murla, 6 Jahre, getigerter Strobel, Keulengriff. Sie ist Melles Tochter und Enkelin meines ersten Hundes. Murla ist ein Hund der nie die Füße still halten kann, immer laufen muss, gleichzeitig macht sie noch weniger Druck als ihre Mutter. Auf Grund ihres großen Arbeitseifers versteht sie oft nicht ansatzweise um was es gerade geht. Überblick über das Hütegeschehen ist nicht ihr Ding. Dafür kommt sie am Weg hinten an und läuft jede Grenze immer.

September 2013, Murla und Ylva

Marlis, 5 Jahre, kurzhaariger Tiger, Nacken- und Keulengriff. Von ihr habe ich schon ausführlich berichtet. Die Druckstärkste war auch sie nie.

November 2013, Marlis

 Somit war Ylva mein stärkster Hund.
Diese Abhängigkeit trieb natürlich ihre Ausbildung voran.
Gleichzeitig war es für den jungen Hund auch ein großer Nachteil.
Immer wenn es darum ging, was weg zu schaffen, grob und druckvoll der Herde entgegen zu stehen, war Ylva dran.
Da blieb wenig Zeit für Feinheiten.
Und doch wollte ich, dass sie noch mehr lernte.

Frühjahr 2014 kam und damit die Lammzeit.
Ylva war nun etwas über zwei Jahre.
Aus der Herde wurden alle hochtragenden Mutterschafe in den Stall sortiert. Dort lammten sie ab und kamen mit ihren Lämmern zur besseren Überwachung in eine Einzelbucht. Wenn klar war, dass keine Probleme zu erwarten war, ging es in eine Sammelgruppe.
Mütter mit Zwillingen kamen in extra. Dabei ging es nicht um viele Tiere, da Schnucken tendenziell nur ein Lamm bekommen.
Einzellämmer kamen in eine Gruppe mit bis zu 20 Müttern.
Waren alle Sammelbuchten im Stall voll wurde die älteste auf den Maisacker am Hof gebracht. Hier standen sie im E-Zaun und wurden gefüttert. Jeden Tag wurde auf einer frischen Fläche neben dem Pferch mit dem Futterwagen Gras- und Maissilage verteilt, dazu gab es Heu und etwas Kraftfutter. Dann wurde die Herde mit den kleinen Lämmern umgelassen.
Jeder der Schafe kennt weiß, was sie für einen Orkan anstimmen, wenn es zur Fütterung geht.
Wenn dann der Moment da ist, der Strom vom Zaun geschaltet wird und man diesen öffnen möchte, würden sie einen gerne schon über den Haufen rennen.
So schiebt eine Person die Herde mit dem Hund weg von der Öffnung und hält sie für den kurzen Moment, bis der Zaun so weit offen ist, das sie rennen dürfen.
Die Schafe stürmen wie wahnsinnig auf das neue Futter und wir müssen schnell die Lämmer nachschieben, denen doch manchmal total entgeht, dass ein Flächenwechsel ansteht.
Mein erster Hund, Gipsy, war für diese Aufgabe geboren. Sie liebte die Herde eisern zu halten, wusste genau um was es ging.
Ylva hingegen fand die durchdrehenden Schafe eher unheimlich. Direkt vor der Herde Druck zu machen fällt ihr schwer. Gerne würde sie etwas zu weit nach hinten renne. Etwas was die Herdenspitze natürlich sofort nutzen würde.
Ich glaube auch, dass sich Ylva der Sinn dieser Aktion nicht wirklich erschließt. Gleichzeitig arbeitet sie gerne neben mir, ist dann viel mutiger.
So machte sie ihre Sache doch gut und zu meiner Zufriedenheit.






Die gehütete Herde wurde durch die Lammzeit immer kleiner, da ja immer mehr Tragende in den Stall kamen.
Mit so einer kleinen Herde zu arbeiten bringt besonders viel Spaß und ist gut für die Junghundeausbildung. Ich bin immer dicht am Hund, kann mich mit ihm auf die Feinheiten konzentrieren.
März 2014

Das Stehen:
Vorweg etwas zum Stehkommando.
Es ist nicht vergleichbar mit Sitz oder Platz.
Sitz und Platz sollen den Hund nicht nur an einem Punkt fixieren, sondern ihn auch da ruhig stellen. Im Alltag von Nichtarbeitshunden werden die beiden Kommandos oft genutzt um den Hund daran zu hindern, etwas zu tun. Er soll nicht zappeln, wenn ich ihn anleine, er soll mich nicht beim Füttern bedrängen, so muss er zuerst sitzen.
Platz wird sogar gerne als Strafe genutzt. Wenn Hund sich nicht benimmt wie ich möchte, muss er sich ablegen. Oft ist es einfacher, einen Hund im freien Flug ins Platz zu kommandieren, anstatt ihn abzurufen.
Das alles gilt nicht für das Stehkommando.
Der Hund soll an dem Stehpunkt wehren.
Die Schafe laufen durch einen Durchgang, in einen Pferch, über eine Brücke, in den Stall.
Die Herde muss sich verengen, schmaler werden.
Dafür ist der Hund am Beginn der Engstelle.
Was heißt, er ist Druck ausgesetzt.
Zwinge ich ihn da hin, ist er damit beschäftigt, meinem Druck stand zu halten, womöglich setzt oder legt er sich dann sogar.
Damit verliert der Hund den Einfluss auf die Schafe, er verströmt keinen Respekt mehr und schlimmsten falls fangen die Schafe an, über ihn hinweg zu treten oder hinten um ihn rum zu laufen.
Ich weiß, dass für Preishüten gilt, besser der Hund sitzt sicher, als das er gar nicht stoppt.
Im Alltag habe ich an der Ecke lieber einen Hund in Bewegung, als einer der sitzt.
Es gibt diese zappeligen Hütehunde, die auf den Tod nicht still halten können. Mir ist dann lieber, er versteht um was es geht, nämlich das die Ecke gewehrt werden muss und bewegt sich da etwas, als wenn ich ihn mit Druck in eine krampfhaft stillhaltende Position zwinge.
Zum Glück gehört Ylva nun wirklich nicht in die Zappelkategorie, doch aber eben in die Unsichere, bei der ich sehr gefühlvoll vorgehen muss.
Sitz bringe ich keinem meiner Hunde bei. Etwas was immer alle irritiert, ist es doch das Kommando, was jeder Hund beherrscht. Selbst die total ungezogenen von der Hundewiese.
Aber wo zu?
Ich will keinen Hund der sich hinsetzt, wenn ich ihn anleinen möchte. Bin ich doch oft mit den Schafen am ziehen und alles muss schnell im Laufen funktionieren. Auch hat ein Hund eh nicht an mir hoch zu springen oder mich zu bedrängen, wenn ich ihn füttere.
Aber vor allen Dingen flüchten Hunde in schwierigen Momenten gerne aus den Steh ins Sitz, besonders, wenn sie das Sitz schon als sicheres Wohlfühlkommando kennen.
Mit Ylva begann ich das Steh abends, wenn sie schon müde gearbeitet war. Ich zog mit der Herde in den Nachtpferch, schickte Ylva auf einer Seite nach hinten und stellte mich auf die andere. So war, als Ylva wieder nach vorne kam, zwischen uns die in den Pferch laufende Herde. Ich sprach sie an, stoppte sie und sie stand.
Zu Anfang war sie sehr unsicher.

noch ist Ylva das Stehen nicht ganz geheuer

Doch schnell wurde ihr Stand sicher und ich konnte sie auch aus der stehenden Position wieder an den Schafen bewegen.
Oktober 2014, Einfahren

Zurück zum Frühjahr 2014.
Gehütet wurde, bis alle Vertragsnaturschutzflächen abgeweidet und das Jahr so weit voran geschritten war, dass auch die Bauernwiesen wieder wachsen sollten und daher nicht mehr gehütet werden durften.
Nun wurde ein letztes mal sortiert, alle Nichttragenden markiert und die restliche Hüteherde kam zu der Mutterherde mit Lämmern auf den Acker.
Hüten für diese Saison beendet.
Zwei Wochen später war das Wachstum dann schon so weit, dass es wieder los gehen konnte.
Die neue Herde mit den kleinen Lämmern machte sich auf den Weg zur Frühjahrsweide.
Und Ylvas Ausbildung schritt voran.
April 2014, hüten mit Ylva, Murla und Marlis

Die Außensseite:
Das war unsere neue große Herausforderung.
Ich platzierte sie in einer, für sie gut sichtbaren, Grenze und zog mich in die fressende Herde zurück. Mein Abstand zu ihr war nicht all zu groß und doch fand sie es entsetzlich. Nicht zu mir kommen zu dürfen verunsicherte sie total und sie verharrte wie angewurzelt.
Ich redete ihr gut zu und motivierte sie sich zu bewegen.
Dies nie lange, zu Anfang nur einige Minuten.

Mai 2014, noch ist sie unsicher auf der Außenseite

Ich kann leider nicht mehr sagen, wie lange es dauerte.
Ich weiß noch, dass ich selbst unsicher war und Angst hatte, ob es je kommen würde.
Und dann plötzlich lief sie, wehrte ihre Grenze.


Als das gut saß kam der der nächste Schritt, die freie Außenseite.
Eine unsichtbare Grenze an den Schafen alleine zu halten, ist für den Hund ungleich schwerer als eine sichtbare, an der er sich festhalten kann.
Ylva verhielt sich wieder wie zu Anfang des Außenseitentraining, sie saß wie festgewachsen.
Ich konnte sie aber auf Kommando schicken.

August 2014
Und auch diesmal kam es irgendwann, sie fing an zu laufen und zu wehren.

September 2014, halten der unsichtbaren Außenseite

Als Ylva drei Jahre alt war, hatte ich einen voll ausgebildeten, in jeder Situation verlässlichen Hund. Die zu Anfang so gehasste Außenseite lief sie nun nicht nur zuverlässig, sie machte es auch gerne.
Da draußen, aus den Füßen des ständig kontrollierenden Schäfers, seine Arbeit zu verrichten, kann für den erwachsenen Hund ein großes Vergnügen sein.

Oktober 2014

Natürlich hat Ylva auch ihre schwächen.
Sauber und schön raus auf die Außenseite laufen wird sie wohl nie. Da werden die Ecken abgekürzt und ich muss mehrmals sagen, dass sie noch weiter „zurück in die Grenze“ gehen muss, bis sie dort ankommt. Etwas was mir auch nicht so wichtig ist, doch ihr fehlt da einfach Talent.

Dezember 2014

Was Ylva auch nicht hat, ist der Blick für einzelne Schafe. Sie stürmt an der Herde entlang und holzt am Ende grob rein.
Die, die da noch hinter stehen, werden schon kommen.
So muss ich sie zu Zurückbleibern oder welchen, die sich irgendwo davon machen, immer extra hinlenken.

Dezember 2013

Ziegen findet sie etwas gruselig und würde sie nie freiwillig packen, was dies Lumpenpack natürlich weidlich ausnutzt.
Junge Lämmer ignoriert sie. Das hat seinen Vorteil. Sie bewegt die Alten, wobei manchmal so ein kleines Lamm auch mal gescheucht werden müsste.
Nach der Schafschur greift sie dann nur noch Lämmer, bis die Wollverhältnisse sich wieder angeglichen haben.

2015 kam wieder ein großer Wechsel für uns.
Ich wurde selbständige Aushilfsschäferin und Betriebshelfer.
Plötzlich waren wir mit ganz unterschiedlichen Schafherden konfrontiert.

Wenn die Herde bei heißem Wetter schlecht läuft, ermüdet Stehen den Hund weniger

Ylva meisterte das mit Bravur.
Im Taunus lernte sie, dass Merinos zwar nicht als geballte Herdenfront auf eine Grenze drücken, dafür aber immer einzelne Nascher ins Verbotene räubern. Daher muss die Grenze konstant gelaufen werden.

Taunus, Juli 2015
Leider machte sie auch die Erfahrung, dass Merinomuttern mit frisch geborenen Lämmern aus der Herde kommen und auf den Hund los gehen. Das war zu viel für Ylva. Und das vergisst sie auch nicht.
Ist in einer Herde eine mit frischgeborenem Lamm, völlig egal, ob sie hinter ihr her kommen würde, Ylva behält sie im Auge, meidet sie weitläufig und kann dort auf keinen Fall mehr arbeiten.
Zum Glück ja nur eine kurze Zeit im Jahr.

Taunus, Juli 2015

In Wiesbaden lernte sie behutsam mit nicht ganz so intensiv durch Hunde gearbeitete Schafe umzugehen.

Hessen, Oktober 2016
Im Westerwald übte sie schwergängige Schwarzköpfe zu schieben.

Westerwald, Mai 2017, Ylva auf der Außenseite
2015 kam für ein halbes Jahr ein junge Hündin dazu. Ylva übernahm die Führung im Hunderudel beeindruckend souverän und mit Freude. Schimpfte ich den Jungspund bestrafte sie zusätzlich, ließ sich nie auf der Nase herumtanzen und spielte doch auch immer gerne.
Als im Februar 2016 ein 10 Wochen alter Rüde bei mir einzog, ließ ich Ylva kastrieren. Immerhin leben beide bei mir im Haus. Ihr kleiner Neffe Lillebror hat nicht nur mich um den Finger gewickelt. Er hat wesentlich mehr Narrenfreiheit als jeder andere Hund. Die beiden mögen sich sehr und bilden ihr kleines Rudel.

Februar 2016, Neffe und Tante

Ylva und Lillebror

Fünf Jahre ist Ylva nun.
Manchmal denke ich, ich weiß sie gar nicht genug zu Schätzen.
Mein Schatten, mein immer bei mir Hund.
Der erste Hund den ich habe, der sich hundertprozentig für mich entschieden hat.
Für nichts in der Welt würde sie mich stehen lassen.
Dafür bin ich ihr so dankbar.
Ohne sie kann ich es mir nicht mehr vorstellen.
Mögen wir noch viele, viele, viele Jahre miteinander haben!


Freitag, 5. Mai 2017

Ylva, Teil 1

Ylva, geb. 01.01.2012
In den meisten meiner Berichte kommt Ylva vor.
Sie ist mein Altdeutscher Hütehund, genauer eine Strobelhündin.
Doch obwohl ich schon einige Hundeberichte geschrieben habe, gibt es noch keinen über sie.
Das ist irgendwie untergegangen und immer hat sich eine andere Geschichte in den Vordergrund gedrängt.
Es wird höchste Zeit, ist sie doch nun schon seit einigen Jahren mein Haupthund ohne den gar nichts geht.


Ylva ist ein nordischer Name und bedeutet Wölfin.
Das wusste ich noch nicht, als ich ihn vorschlug.
Der Name stammt aus „die Abenteuer des Röde Orm“ von Frans G. Bengtsson. Eine Wikingergeschichte die als das Männerbuch für Männer gilt. Ich aber kann sie jedem, der auf derben, nordischen, zwischen-den-Zeilen Humor steht, nur empfehlen.
Nur kurz zitiert:
„Als die Bienen geschwärmt hatten und das Heu hereingebracht war, machte man sich daran, das große Tauffest auszurichten. Es dauerte, wie Orm das gewünscht hatte, drei Tage, und schon bald nachher redete man davon als von einer ganz eigenen Begebenheit; denn es ging zu Ende, ohne dass eine Waffe von Blut gefärbt wurde, trotzdem alle Gäste Abend für Abend so betrunken waren, wie man sich das auf dem Gastmahl eines großen Häuptlings nur wünschen konnte. Kein anderes Unglück geschah, als dass zwei junge Männer, die sich einen Rausch angetrunken hatten, zu dem großen Hunden hineingingen, um mit ihnen zu spielen. Der eine von ihnen war schnell wieder draußen und trug keinen anderen Schaden davon als einige Schrammen und zerrissenen Kleider; aber der andere wurde zu Boden geworfen und auf sein lautes Schreien hin von zwei Frauen des Hofgesindes gerettet, denn sie konnten ihn herausschleppen, weil die Hunde sie kannten. Er hatte Wunden an Armen und Händen, und ein Ohr war ihm abgebissen. Darüber wurde viel gelacht, und man nannte die Hunde lobend eine Zierde der ganzen Gegend; aber gespielt wurde mit ihnen nicht mehr.“

Zurück zu meiner kleinen Wikingerbraut.
Ylva heißt eigentlich Mira vom Wolfspfad.
Gipsi vom Wolfspfad ist ihre Mutter.
Holzapfel's Buff ihr Vater.
Hier ein Link zu einem Beitrag in dem Buff vorkommt:
Landschaftspflege mit Schafen 
Eingetragen bei der Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde.
Der Wurf war eine Wiederholung, sowohl in meinem Ursprungsbetrieb als auch in der Schäferei, in der ich zu der Zeit arbeitete, liefen schon sehr erfolgreiche Geschwister.
Geboren wurde sie am 01. Januar 2012.
Mit 10 Wochen zog sie auf den Betrieb.


Sie war nicht mein Hund und sprach mich auch nicht weiter an, kleiner, schwarzer Strobel.
Und doch machte ich mir sie, wie alle Junghunde in den Betrieben in denen ich arbeite, zur Aufgabe.
Sie kam mit, wenn die Hütehunde zwei mal am Tag gemeinsam springen durften.
Und auch sonst hatte ich sie bei meinem täglichen Tun, außer zum Hüten, dabei. Sei es beim Füttern im Stall oder beim Zaunbau, Gruppenkontrolle oder Litze stellen.
Ylva war ein lustiges, freundliches, angenehmes Hundchen, dass ohne groß aufzufallen mit lief.
Fütterte ich im Stall schlüpfte sie durch die Fressgitter mit zu den Mastlämmern und sprang zwischen ihnen rum, ohne zu viel Trubel zu veranstalten und ohne sich einschüchtern zu lassen.

Ylva wurde älter und zeigte sich sehr zugänglich und leicht zu beeindrucken.
Ihren Chef machte das nicht glücklich. Er bevorzugt harte Hunde.
Als sie ungefähr ein halbes Jahr war, hatte er sie mit im Stall. Beim Befüllen eines Wassertrogs sprang der Schlauch aus dem Eimer und der Strahl traf den Hund.
Ylva erschrak so, dass sie sich von da an weigerte in Gegenwart ihres Chefs den Stall zu betreten.
Der beschloss, dass sie nicht der passende Hund für ihn ist.

Nun gibt es sicher genug, die solch eine Entscheidung kritisieren und verurteilen.
Da muss ich vielleicht einen Einschub zu „harten“ und „weichen“ Hunden machen.
Ich weiß, es gibt viele, die sagen, ein Hund der „hart“ am Vieh ist, muss nicht automatisch „führerhart“ sein.
Meine Erfahrung ist da eine andere.
Natürlich immer mit Abstufungen.
Dafür gibt es keine Messlatte, sondern immer nur Eindrücke, Gefühle und eben Erfahrung.
Ein Hund der selbstständig Arbeitet, der in jeder Situation die Schafe hält, egal wie groß der Druck der Herde, egal wie gestresst der Schäfer, ist auch immer ein Hund, der eine härtere Ansprache durch den Schäfer braucht.
Bin ich jemand, der gut und leicht mit harten Hunden klar kommt, habe ich meist auch eine sehr starke natürliche Präsenz. Da muss ich mich dann für einen weicheren Hund immer zurück nehmen, runter fahren. Etwas was nicht nur eine große Anstrengung ist, sondern fast unmöglich wird, habe ich zu dem Weichei nur harte Hunde zum Arbeiten.
Es ist in der Hüteschäferei ja nicht so, dass der junge Hund nur zu präparierten Übungseinheiten an die Schafe kommt. Nein, kommt er mit, ist er beim ganztägigen Hüten dabei, wobei die eigentliche Arbeit von den Althunden erledigt wird. Harte Althunde und dazu einen sensiblen Junghund der alles auf sich bezieht, das wird nichts.
Also macht es durchaus Sinn, für den nicht zu einem passenden Junghund frühzeitig einen besseren Platz zu finden.
Es ist auf jeden Fall besser, als es nicht zu tun!
Wie oft trifft man Hunde, die zu lange am falschen Platz waren?
Wie oft habe ich schon gehört: „Ich frage mich, was er früher erlebt haben muss um nun so und so zu sein.“
Bei leicht zu beeindruckenden Hunden müssen das nämlich nicht immer die vermuteten Schläge und Gewaltorgien gewesen sein. Oft reicht schon, nicht die Möglichkeit zu bekommen, sich druckfrei zu entfalten.
Ich selbst gehöre zum Gegenteil, ich habe mit „harten“ Hunden Schwierigkeiten.
Damit meine ich nicht, dass ich Hunde bevorzuge, die man nicht mal böse angucken darf, geschweige denn mal einen schlechten Tag haben darf, ohne dass sie sofort jedes Arbeiten einstellen.
Wenn ich von harten Hunden rede, meine ich die, die beständig die Körperspannung einer gespannten Stahlfeder haben, arbeiten würden, bis sie tot umfallen, sich mit Begeisterung in druckvolle Situationen stürzen.
Solch ein Hund ist für die meisten Betriebe unerlässlich, er rettet, egal in welcher Situation.
Ob es mit kleinen, unerzogenen Lämmern im Frühjahr aus dem Stall geht, ob seine Pfoten nach 20 Kilometer Reise durchgelaufen sind, ob die Herde beschließt, sie muss nun auf diesen leckeren Getreideaufwuchs oder ich einen miesen Tag habe und meine Laune zum Himmel stinkt.
Gleichzeitig sind es Hunde, die nicht einfach mal neben her laufen, die du unbeaufsichtigt machen lassen kannst, die nie streit im Rudel anfangen würden.
Selbst Schäfereien die es umgänglicher bevorzugen, habe meist einen Hund von dieser Sorte, fürs Grobe, fürs Retten.
Ich aber habe keine Schäferei.
Es ist nicht so, dass ich mit solch einem Hund nicht hüten kann. Es kostet mich aber unglaublich viel Kraft und Konzentration. Das mache ich nicht einfach so, ich muss bewusst meine Körperspannung erhöhen. Das ist dann nicht mein Alltag und ganz sicher nicht privat bei mir Zuhause.

Zurück zu Ylva.
Ich überzeugte ihren Schäfer, dass sie bleiben durfte und ich mit ihr arbeiten würde.
Nicht als mein Hund aber eben als mein Betriebshund.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich gerade von einer Hündin getrennt, die durch ihren Vorderbeingriff nicht zum Hüten geeignet war und ich hatte keine Lust mich schon wieder emotional an einen jungen Hund zu binden, bei dem seine Hütetauglichkeit noch völlig in den Sternen stand.
Ja, sie war auch nicht der Hund, der mein Herz direkt ansprach.
Ylva war nun acht Monate und begleitete mich zum Hüten.
Und das war genau das was sie tat, mich begleiten.
Für die Schafe zeigte sie keinerlei Interesse.
Sie lief mit, zoppelte etwas an den Althunden, blieb aber immer nahe bei mir.

Ylva und Grisu

Dabei lernte sie schnell die Grundregeln: Nicht zwischen den Schafen, nicht zwischen mir und den Schafen, auf mein Rufen hören, an der Leine nicht nerven.
Ich nannte sie meinen optimalen Hütebegleithund.

Ylva und der alte Sky

Der Herbst kam und ging.
Januar 2013 und damit Ylvas erster Geburtstag.
Ab und an lief sie nun mal mit einem Althund mit, manchmal auch alleine.
Doch immer noch wirkte sie nicht wirklich interessiert an Schafen.

Ylva läuft ab und an mit

Die Hütezeit im Betrieb war zu Ende. Die Herde wurde auf den großen Schleswig-Holsteinischen Mähwiesen gekoppelt.
Das hieß nicht, das nun weniger Arbeit war, im Gegenteil.
Die Herde Stand in 15 bis 20 Netzen die täglich umgestellt werden mussten.
Dazu gab es bis zu 5 Gruppen in Litze, gerne auf 5 bis 10 Hektarstücken.
Unterschiedliche Mastlämmergruppen, Böcke, Schafe mit frischen Zwillingen auf besonders gutem Futter, Schafe mit Einzellämmern usw.
Alle mussten täglich kontrolliert werden, steht die Litze, ist genügend Strom drauf, ist alles Gesund, braucht es ein Fußbad, werden sie Rund, reicht das Futter noch, müssen sie umgestellt werden?
Wenn ja, wohin geht es? Müssen sie gefahren werden? Wie viele Hängerladungen sind es?
Alles musste so koordiniert werden, dass nicht alle Gruppen an einem Tag um mussten, das wäre unmöglich zu schaffen.
Dazu der Stall, der sich nun auch füllte. Flaschenlämmer, Ziegen, Problemlämmer mit Müttern, überhaupt alles, was für draußen nicht fit genug schien.
Ylva war bei all diesen Arbeiten mein dauerhafter Begleiter.
Einmal, es war wohl März, Ylva war also schon 14 Monate, ging ich durch die große Herde, sah nach frisch geborenen Lämmern, kontrollierte die Schafe. Plötzlich fiel mir ein, dass ich ja den jungen Hund dabei hatte.
Hektisch blickte ich mich um.
Einen Junghund so zu vergessen, ihn so los zu lassen, heißt einen Freifahrtschein zu erteilen Schafe zu scheuchen.
Aber nein, Ylva war genau in meinem Windschatten, die Schafe ignorierend.
Ich gebe zu, da hatte ich dann schon große Zweifel, dass sie je anfangen würde zu arbeiten.
Ylvas Eltern hatten drei Mal gemeinsamen Nachwuchs gezeugt. Ich kannte einige Geschwister und wusste, dass die Bandbreite nicht nur im Aussehen, sondern auch und gerade im Verhalten sehr groß war.
Zwei waren aus der Schäferei geflogen. Eine davon, eine ältere Schwester, hatte auf ihrem Weg zum Familienhund kurz Station bei uns auf dem Hof gemacht. Sie war ein netter Hund, aber nicht für Schafe zu begeistern.
Das krasse Gegenteil zu dieser war Ulla, eine Hündin bei meinem Vater im Betrieb. Die hatte für nichts anderes Sinn, nur Schafe, Schafe, Schafe. Und das mit großer Selbständigkeit und Härte. 

Geschwister:

Thor

Tom

Ulla

Bud


Der Frühling 2013 kam.
Sehr, sehr spät.
Es wuchs einfach nicht.
Ende April gings auf die Walz.
Lauter kleine Naturschutzgebiete, bis zu 20 Kilometer auseinander und nirgends genug Futter.
Hungermärsche, bis wir aufgaben, die Schafe festsetzten und nochmal fütterten.
Bei diesen Frühjahrsreisen ist die Hauptarbeit für die Hunde nicht vor der Herde sondern hinten.
Hinten sind die kleinen Lämmer, die noch keine Regeln kennen und die Mutterschafe, die besorgt auf diese aufpassen.
Da braucht es gute starke Hunde. Sie müssen nachschieben, sich nicht von den Müttern einschüchtern lassen und dabei nicht zu grob zu den Lämmern sein.
Und plötzlich hatte Ylva Spaß.
Mit Begeisterung und Ausdauer schubste sie hinter der Herde.
Ich erkannte das Hundchen gar nicht mehr wieder.

April 2013

Es war einer der ersten dieser Märsche.
Wir zogen das gefährlichste Stück des Weges.
Eine kurvige Straße ohne Möglichkeit vor dem Autoverkehr auf einen Acker oder Seitenweg auszuweichen. So staute es sich.
Das Begleitfahrzeug das normalerweise hinter der Herde ist, fuhr nun vor der Herde durch die Kurven. Mit der Fahne aus dem Fenster winkend bremste es entgegenkommende Autos ab.
Hinter der Herde bestand keine Gefahr, war da doch schon eine Schlange sich gedulden müssender.
Von vorne kam ein Schlepper mit Pflug. Er blieb brav stehen, ließ die Herde passieren.
Als die Schafe vorbei gezogen waren, waren immer noch einige Lämmer unter dem in der Luft hängenden Pflug.
Ylva lief um sie weiter zu scheuchen.
Der Trecker fuhr an.
Ylva schrie.
Mit einer Pfote das Auge wischend kam sie laut weinend zu mir zurück.
Mein Herz purzelte in die Hose.
Ich brüllte dem Schlepperfahrer nach.
Aber was sollte ich machen?
Kack, Mist, Verdammter.
Die Herde zog weiter.
Lämmer fingen an zu trödeln.
Ungeduldige Autos.
Wir mitten auf der Straße.
Mein schmerzgepeinigtes Hundchen.
Nichts konnte ich tun, außer der Herde hinterher zu jagen.
Weiter gings.
Da mussten wir nun durch.
Endlich, endlich über die Kreuzung aufs frische Futter.
Komm, Ylvchen, zeig mal her.
Ein Loch, direkt über dem Auge.
Tief, aber nicht so groß, dass es genäht werden musste.
Glück gehabt!!!!!!
So erleichtert war ich.
Hielt und drückte MEIN Hundchen.

Und dann kam dar Frühling mit macht.
Es spross und wuchs und sang! Endlich!

Mai 2013

Es wurd wieder gehütet.
Und auch, wenn Ylva hinter der Herde begeistert war, beim Hüten war sie sehr unbeständig.
Pendelte etwas mit dem Althund, lief ein paar Meter, wenn ich sie schickte.

Juni 2013
Auch mal ein paar Meter mehr.
Aber so richtig wurde es nichts.
Oh, Mädchen, was sollte aus Dir noch werden?

Zum September2013 stand für mich ein Wechsel an, zurück in meinen Ursprungsbetrieb.
Ein Hund sollte mich begleiten und Ylva war nur ein Kandidat.
Da war auch noch Caro.

Klein Caro, dahinter Grisu, Thor, Johnny, Pace, Ylva, Sky


Schwarzer Strobel, ein halbes Jahr jünger als Ylva und auch unter meiner Betreuung.
Bisher hatte er noch nichts an den Schafen gezeigt, was aber sicher auch daran lag, dass er sich in Gegenwart des Schäfermeisters und seiner Althunde kein Zucker traute.

Caro fühlt sich deutlich unwohl, dabei geht gerade gar nichts um ihn

Ich hingegen hatte eine tiefe Zuneigung zu ihm. Seine Art sich an meiner Seite zu bewegen, nach mir zu schauen, sich an mich zu hängen, berührte mich. Er war der Hund, den ich dabei hatte, streifte ich abends nach Feierabend noch über den Hof, oder saß auf einem Baumstamm, der untergehenden Sonne nachsinnend.

Caro

Nur mit zu den Schafen hatte ich ihn nie.
Caros Schwester, Amy, war in meinem Ursprungsbetrieb als Hund für die Auszubildende und das krasse Gegenteil zu ihrem Bruder. Immer unter Hochspannung, nur Sinn für die Schafe und nicht interessiert an der Liebe eines Lehrlings.
So wurde vorgeschlagen, dass Caro mit mir ging, Ylva zu der Auszubildenden und Amy zu meinem alten Chef.
Hundekarusell.
Und ich gebe zu, ich musste darüber nachdenken.
Caro lag mir sehr am Herzen.
Doch Ylva fühlte ich mich verpflichtet.
Sie war davon überzeugt, mein Hund zu sein.
Meine Entscheidung stand.
Ylva ist mein Hund!
Amy wechselte den Betrieb und passte wie die Faust aufs Auge.
Wenn es auf die Reise ging, trippelte sie, gespannte Stahlfeder, neben ihrem Schäfermeister her. Kam das ersehnte Kommando sprang sie vor überschießender Begeisterung zwei Meter in die Luft und stieß dabei helle Schreie aus. Schon jetzt schlossen alle Schafe zur Ordnung auf. Und dann kam sie nach hinten gefegt, nicht bellend, nein, schreiend. Hier tanzte kein Schaf mehr aus der Reihe.
Ein Traum für eine Hütewanderschäferei mit schwierigen Wegen.
Doch ein Hund, den ich keinen Moment handeln wollte.

Amy

Caro kam zu der Auszubildenden. Er schloss sich ihr glücklich und treu an, wurde ein Hütehund der mit viel Überblick und Bedacht Schafe arbeitet. Ein Hund der seine, durch die Welt reisende, unterschiedlichste Betriebe erkundende Schäferin auf Schritt und Tritt begleitet.

Caro

Caro mit seiner Schäferin
Und wenn wir uns mal treffen, drückt er sich an mich, weiß um unsere Verbundenheit. Auch, wenn wir nie zusammen gehören werden.

Februar 2016, meine beiden, Lillebror und Ylva. Caro zu besuch


Ylva ist mein Hund.
Und sie wurde noch ein richtig guter Hütehund.
Ihre Ausbildung dahin folgt in einem anderen Bericht.

Februar 2017, Obstbaumwiesen, Ylva und Lillebror bei der Arbeit