Freitag, 2. Februar 2018

Taunus im Dezember 2017



 Als ich morgens zum Pferch komme liegt die Herde noch weit verteilt, satt und zufrieden vom Vortag.

Erst langsam erheben sich die Merinolandschafe, wissen sie doch, dass es nun los geht.
So kann ich mir einen ersten Überblick verschaffen, ohne vor Gedränge nichts zu sehen.
Keine kleinen Lämmer heute. Gut so, immerhin wurden die letzten Tage alle, die mit prallen Eutern beim Laufen schaukelten wie Schiffe, dicke, bauchige Lastkähne, in den Stall gebracht.
Da hatte es heute morgen auch sieben neue Lämmer gegeben, eine Mama sogar mit Drillingen.


Ich lasse meine beiden Altdeutschen Hütehunde aus dem Auto. Ylva und Lillebror sind vorfreudig und geladen. So beginnen sie ein wildes, lautes Kampfspiel.
Ich ermahne sie, sich zusammen zu reißen. Immerhin stehen jetzt alle Schafe und sind vermutlich nicht weniger vorfreudig.
Doch die Hunde müssen sich noch etwas gedulden. Ich öffne den Zaun, rufe den lauten Lockruf: „Koooouuum! Koooouuum!“ und die Herde trottet auf das Stück neben dem Pferch, verteilt sich zum Fressen.


Das die Merinoschafe mir so selbstverständlich und bereitwillig folgen, erstaunt und ehrt mich sehr. Immerhin ist es nun schon anderthalb Jahre her, dass ich sie das letzte mal gehütet habe. Doch eine Schafherde hat ein langes Gedächtnis.
Verwundert war ich, dass sie, im Gegensatz zu mir, meinen Tigerrüde Lillebror als völligen Fremden empfanden und anfangs einen Mindestabstand von 20 Metern zu seiner Grenze hielten. Lille wiederum war dadurch gelangweilt, was ihn angespannt und unzufrieden machte. So strahle er noch mehr Druck aus und ermutigte erst recht kein Schaf.
Aber natürlich, bis auf eine Stunde im September, hatte die Herde Lille auch seit anderthalb Jahren nicht mehr gesehen. Und da war er ein kleiner Pups von sieben Monaten, der seine ersten Schritte an Schafen wagte. Nun ist er ein, vor Energie strotzender, Zweijähriger.


Immerhin gewöhnte sich die Herde schnell an ihn. Macht er doch wahnsinnig Druck, rennt ein großes Merino auch mal einfach über den Haufen, ist er gleichzeitig verlässlich und berechenbar. Lille würde nicht aus der Grenze in die Herde knallen oder anderweitigen plötzlichen Unsinn machen.
So fressen sie bis an seine zu laufende Linie heran, was wiederum ihn beruhigt und entspannt.


Er kommt in ein gleichmäßiges Pendeln, nur mal unterbrochen von dem Suffolkbock, der es unbedingt und immer wieder wissen will. Mit dem neckt sich Lille, bis er ihn sauber im Nacken packt. Damit hält der Suffi erstmal einen halben Meter Abstand zur Grenze.
Suffolkböcke!
In allen Herden, die ich hüte, dass gleiche. Sie müssen zwanghaft den Hund testen. Und es geht dabei nicht um das grünere Futter auf der anderen Seite der Grenze, nein, denn zum Beispiel ein Teerweg bietet definitiv nichts leckeres. Es geht nur darum den Hund zu ärgern.
Aber zurück zu diesem schönen Morgen, an dem es ausnahmsweise mal nicht Grotten regnet, schneit oder beides in Kombi, wie die letzten Tage.


Ich baue den Nachtpferch, sechs Elektronetze, ab und behalte die Hunde eisern in meiner Nähe. Zu hüten gibt es gerade nichts!
Im Sommer stehen die Schafe Nachts meist in gerade drei Zäunen ohne grün. Aber da kommen sie auch pappesatt rein. Jetzt, um diese Jahreszeit reicht das Tageslicht einfach nicht, um sie ganz satt zu bekommen. So braucht die Herde nachts noch einen Nachtisch. Außerdem ist das Wetter saumäßig und die Tiere sollen natürlich keinesfalls im Schlamm stehen.
So wird jeden Tag wieder der perfekte Nachtpferch gesucht. Die Fläche muss groß genug für sechs Netze a 50 Meter und mit grünem Gras bewachsen sein. Der Bauer darf nicht schon Gülle gefahren haben, auch nicht in den letzten sechs bis acht Wochen, sonst frisst kein Schaf mehr. Die Wiese darf nicht zu nass sein. Regen und Schnee stört kein Schaf, auch nicht auf dem Gras, doch ins Wasser legt es sich definitiv nicht. Auch Kälte kümmert Schafe nicht, nur Starkwind, in Verbindung mit Regen, das ist Mist. Ist es also stürmisch oder Sturm angesagt, sucht man nach einer Pferchfläche mit Windschutz in Form von einem Knick oder Wald.
Direkt an die Straße legen wir die Herde auch nach Möglichkeit nicht. Sollte etwas passiert, könnte das mit dem Verkehr gefährlich werden. Außerdem möchte man sich den Nerv mit anzeigewütigen Tierrettern ersparen.
Ja, es ist für Schafe im Winter Witterungsschutz und trockene Liegeplätze vorgeschrieben.
Wir hatten das schon.

Zur Definition:
Trockene Liegeplätze bedeutet, die Schafe im Nachtpferch nicht in Matsch oder sogar Wasser stehen zu haben. Ist es den Tieren zu nass, legen sie sich zum Schlafen nicht hin.
Also liegen die Tiere geht es ihnen gut.

Witterungsschutz bedeutet, dass die Schafe bei Sturm und Starkregen einen Nachtpferch mit Windschutz haben. Auch das ist gut zu erkennen: Frierende Schafe stehen alle in einer Ecke des Pferches, dicht gedrängt, den Hintern in den Wind. Kein weit verteiltes liegen oder fressen.

So bin ich am Tag zuvor ein ganzes Stück gezogen, um diesen perfekten Pferchplatz zu finden. Mehr Futter, außer dem Stück auf dem sie während des Auf- und Abbaus fressen, ist hier nicht, also geht es nun direkt weiter.
Ich rufe die Herde und auf geht es, wir müssen ein ganzes Stück ziehen. Wieder vorbei an den zwei Pferden, die mich gestern so geärgert haben.
Der Weg ist schmal und biegt auch noch im rechten Winkel ab, direkt an der Pferdekoppel.
Als ich mit den Schafen kam, gerieten die Pferde völlig aus dem Häuschen, rannten wie verrückt am Zaun auf und ab. Zaun? Ein lumpiger Draht, der eher die Pfähle hielt, als umgekehrt.
Die Schafe blieben irritiert stehen.
Und ich?
Ich hatte sofort die Stimme meines Meisters im Ohr: „Du schickst keinen Hund zwischen Pferden. Ein Tritt und der Hund ist hin!“
Doch die Herde stand, die Pferde galoppierten zwischen mir und den Schafen hin und her. Auf der anderen Seite war ein steiler Hang mit Gebüsch, schickte ich dort den Hund, würde er die Schafe in die Koppel drücken.
Ich rief.
Nichts bewegte sich, nur die Herde drückte immer breiter, da Schafe von hinten schoben.
Also komm, Ylva, geh mal!
Lille hatte ich fest, das war kein Moment für übereifrige, kopflose Jungspunde.
Ylva lief, wich den aufgedrehten Gäulen aus und machte an der Herdenseite druck.
Batsch.
Ein Zaunpfahl knackte, brach und der Draht lag.
Oh, bitte, lass die Pferde in ihrer Koppel, lass sie nicht zwischen die Schafe laufen!
Und endlich zog die Herde an, folgte mir zögerlich um die Kurve.
Nun war auf der anderen Seite ein tiefes Tal, dort konnte ich Lille runter stellen, Druck auf die Flanken der Herde machen lassen.
Die Schafe liefen!
Ylva abrufen und aufatmen.
Als wir ganz an der Koppel vorbei waren, telefonierte ich, damit der Pferdehalter erfuhr, dass der Zaun lag.
Ja und da muss ich nun zurück.
Die Pferde stehen wieder in der Spitze des rechten Winkels. Doch diesmal rühren sie sich nicht, beobachten nur. So zieht die Schafherde ruhig an ihnen vorbei.


Erleichterung.
Bald sind wir zurück auf den Flächen, die ich die letzten zwei Tage gehütet habe.


Auf einer steht es noch gut und die Schafe verteilen sich weit, fressen.
Die Wiese ist komplett mit Bäumen umstanden, die Hunde und ich haben Pause.
So blöd das die Hunde finden, ich esse mein Vesper und genieße den heißen Tee.


Aber bald ist es zwei Uhr und wir müssen noch eine große Landstraße überqueren. Etwas was natürlich bei vollem Licht geschehen muss. So rufe ich die Herde und weiter geht es.
Über die nächste Wiese, am Ackerrand hoch auf einen Feldweg. Den verlassen wir bald wieder und es geht weglos in den Wald. An der Stelle, an der der Weg die Straße kreuzt, kommt nicht viel weiter eine Anhöhe. Über die kommen die Autofahrer geschossen und sehen die Schafe erst spät.
So wird im Wald auf der Anhöhe gequert, Autos sehen einen dann beidseitig von weitem.
Ich bin etwas zu früh in den Wald gebogen, habe ich doch heute morgen die Strecke zum ersten Mal gezeigt bekommen und auch da nur den befahrbaren Teil.
Doch ich finde die Straße, ziehe parallel bis auf die Anhöhe und sammle die Schafe hinter mir, warte bis auch alle Nachzügler aufgeschlossen haben.
Dabei behalte ich die Hunde eisern bei mir, nun kein unbedachtes Laufen und womöglich Schafe die abspritzen.
Ich warte bis die Straße in beiden Richtungen frei von rasendem Verkehr ist und steige über die Böschung auf den Asphalt, dabei laut rufend.
„Kooomt! Kooomt!“
Und die Herde zieht an, folgt.
Sehr schön!
Immer ein kritischer Moment, denn zögern sie zu lange, kann es sein, dass das nächste Auto kommt, was wegen mir einsamer Gestalt mit Sicherheit nicht langsamer macht. Dann muss ich in diesen Sekunden entscheiden, was ich tue. Entweder winke ich wie irre und hoffe, das Auto hält, oder ich gebe die Straße frei, gehe zurück zur Herde, die aber dann schon Laufbereit am Rand steht und hoffe, dass die Schafe sich nicht auf die Straße schieben.
Auch den Hund schicke ich ungern, treibt er zwar die Schafe an, aber auf dem Rückweg quert er an den Schafen die Straße, während ich schon auf der anderen Seite bin. Und wer weiß, was bescheuerten Autofahrern in den Kopf kommt.
Das ist auch der Grund, warum ich vor dem Queren warte, bis die Herde dicht aufgeschlossen hat, denn auch zum Nachzügler holen schicke ich keinen Hund.
Ein Schaf an ein Auto zu verlieren ist tragisch, aber den Hund?
Nein, das mag ich mir nicht mal vorstellen.
Doch die Schafe laufen brav hinter mir über die Straße.
Die Autos, die von links und rechts kommen bremsen ab, machen ihre Warnblinker an und warten bis das letzte Tier drüben ist.
Wunderbar!
Weiter geht es durch den Wald über schmale Wege.
Unter Bäumen auf wilden Pfaden mit einer Schafherde zu wandern, völlig egal zu welcher Jahreszeit, gehört für mich zu den schönsten Momenten des Schäfersein.
Und wieder erreichen wir kleine Wiesen. Die Schafe verteilen sich zum Fressen und die Hunde ziehen ihre Bahnen, halten die Tiere vom jungen Getreide fern.


Bei einem Schaf platzt die Fruchtblase und nicht lange und ein Lämmchen sucht, leise zirpend, auf wackeligen Beinen, nach der warmen Milch seiner tief brummenden Mama.
Die Herde frisst weiter und die Mutter führt ihr Lamm langsam nach, bis das Müttertaxi kommt, sie in den Stall bringt.


Die Sonne, die sich die ganzen Tage nicht gezeigt hat, färbt den Himmel in einem letzten aufglühen rot und ich baue den Nachtpferch.


Es ist dunkel, die Schafe eingepfercht, Strom auf den Zaun und Heim geht es.
Spät abends, vor dem Schlafen, laufe ich zur letzten Runde hinauf zum Stall.
Nochmal durch die Hochtragenden gucken und Neugelammte mit Zwillingen extra sperren.


Dann die Einzelbuchten durchsehen, alle Lämmer fit und rund?
Die Flaschenlämmer bekommen ihre Nachtmilch in der Lammbar mit Warmhaltevorrichtung.


Gut Nacht ihr Schafe!
Licht aus.
Ich verlasse den Stall.
Ylva und Lille trotten müde hinter mir her.
Meine kleine Reisekatze, die so tapfer in alle Betriebe in denen ich arbeite mit kommt, springt um uns herum.
Es hat ganz aufgeklart.
Über mir erstreckt sich unendlich und weit funkelnder Sternenhimmel.
Der alte Wachturm über dem Dorf ist dezent zu Weihnachten beleuchtet.
Stille Nacht!
Heilige Nacht!
Alles schläft, einsam Wacht!



Montag, 1. Januar 2018

Absetzlämmer im November 2017

Vorne weg:
Allen Lesern meines blogs wünsche ich ein frohes, gesundes, zufriedenes neues Jahr!
Allen Schäfern und Schafhaltern eine erfolgreiche Lammzeit, mit leichten Geburten, fiten Lämmern und sich gut kümmernden Muttern mit viel Milch!
Vielen Dank fürs Lesen!!

Mit den Lämmern auf dem Weg zur nächsten Fläche, mehr dazu weiter unten im Text

Also, jemand der mich als Schäferin kennt und nun die Überschrift liest wird vielleicht den Kopf schütteln und sagen: „Anna schreibt über Absetzlämmer, davon hat sie doch keine Ahnung!“
Stimmt.
Aber ich komme viel rum, sehe einiges und davon möchte ich nun erzählen.
Eine Schäferei ist immer auch ein Wirtschaftsbetrieb. Und da Wolle heutzutage nichts mehr wert ist und kein Mensch hier mehr Hammelfleisch essen würde, lebt der Betrieb von den Lämmern.
Selbst eine Schäferei, die mit den Schafen Flächenpflege im Auftrag betreibt, und dafür bezahlt wird, bekommt niemals genug um nicht doch einen größten Teil der Unkosten über den Verkauf der Lämmer zu bestreiten.
Von letzteren Betrieben schreiben ich.
Von Herdbuchbetrieben die Rasseschafzucht betreiben, oder von reinen Fleischschafen habe ich definitiv kein Wissen.
Landschaftspflegebetriebe haben Landschafe.
Landschafrassen kommen mit dem schlechteren Futter von kargen Naturschutzflächen gut klar. Je nach Flächenqualität variiert die gewählte Rasse vom Merinolandschaf bis hin zur Heidschnucke.
Erstes braucht schon im Vergleich zu allen Landschafrassen das beste Futter, während letztere selbst auf kargsten Moor und Heideflächen noch rund werden.
Wobei Rund natürlich immer relativ ist, kein Händler zahlt normale Lämmerpreise für Heidschnucken. Für die muss man sich entweder eigene Vermarktungsstrategien ausdenken, bei denen dann das wildartige Heidschnuckenfleisch gewürdigt wird, oder man setzt zum Decken Fleischschafböcke ein, um die Lämmer für den Markt interessant zu machen.
Bei wenigen Betrieben rentiert sich eine Direktvermarktung. Geht das Lamm an den Handel bekommt man den Marktwert, der übers Jahr schwankt, ca. zwischen 2,40 und 2,80 das Kilo Lebendgewicht. Ein Lamm hat dann um die 44 Kilogramm, in manchen Gegenden sollen sie nur 38 Kilo haben, anderenorts wird erst geschimpft, wenn die 50 kg deutlich überschritten sind.
Dazu soll das Tier natürlich nicht einfach nur groß sein, sondern auch abgedeckt oder rund über dem Rücken.
Ein Lamm ist ein Schaf bis zu einem Jahr.
Es gibt auch immer mal wieder Drängen, das Alter runter zu setzen. Natürlich, ein Fleischschaflamm in Stallmast ist in drei bis vier Monaten Schlachtreif. Aber Weidelämmer brauchen einfach länger. Und so ist die Regel, bis zum ersten mal Zahnen, was mit einem Jahr der Fall ist, bleibt das Tier ein Lamm.

Lämmer beweiden eine Solaranlage

Habe ich jetzt schon die ganzen Nichtschäfer als Leser verloren?
All die, die es nicht ertragen davon zu lesen, dass Schäferei auch immer Lämmerproduktion ist?
Da muss ich einfach sagen, es gehört dazu!
Und als Verbraucher haben Ich und Ihr die Wahl!
Das Einkaufs- und Essverhalten bestimmt die Landwirtschaft, die Tierhaltung und unser Landschaftsbild.
Die allerwenigsten Schafherden laufen heute zu Tage noch auf Flächen, die anderweitig Landwirtschaftlich genutzt werden könnten. Nein, sie betreiben Naturschutz, erhalten seltene ursprüngliche Kulturlandschaft, tragen zur Artenvielfalt bei, sichern Deiche, pflegen Truppenübungsplätze, dienen als Biorasenmäher.
Wünsche ich, dass dies bestehen bleibt, Unterstütze ich am besten durch meinen Konsum.
Ich muss nun keinen Vegetarier oder Veganer vom Fleischgenuss überzeugen. Auch wenn ich ihm zumindest gerne ans Herz legen möchte, regional und ursprünglich, im Sinne von nicht zehnfach verpackt, scheiblettiert und mit Zusatzstoffen vermanscht, einzukaufen. Nahrungsmittelindustrie rettet nichts.
Zurück zum Lamm.
Auch da gibt es unterschiede.
Typisch deutsch ist, zu Ostern Lamm zu essen.
Wo doch eigentlich Ostern erst die Lämmer geboren werden.
Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, sind viele der Schafrassen, auch der Landschafe, schon asaisonal gezüchtet. Das heißt, sie können das ganze Jahr über Lämmer bekommen. Auch wenn das gro der Lämmer immer noch im Frühjahr kommt, legt man kleiner Lammzeiten auf den Herbst und frühen Winter, extra für Ostern.
Dazu dies:
Ein Lamm das auf der Weide fett geworden ist schmeckt anders, meiner Meinung nach besser, als ein Lamm aus Stallmast.
Zu Ostern kann ich kein frisches Weidelamm bekommen!
Geht nicht!
Lämmer die zu Ostern geschlachtet werden, haben ihr Leben im Stall verbracht.

diese Lämmer im Stall bekommen Grassilage und Kraftfutter

Oder stammen aus Neuseeland, da sind die Jahreszeiten anders herum. Nur ist das Fleisch auch einmal um die Welt gereist.
Somit bietet sich doch für die einmal-im-Jahr-Lamm-Esser ein Weihnachtsbraten viel eher an.
Oder an Silvester, leckeres Lammgeschnetzeltes im Fondue und auf dem Raclette.
Zu dem Argument, den Schäferein geht es hier so schlecht, weil keiner mehr Lamm ist:
60% des in Deutschland konsumierten Lammfleisch wird importiert.
Interessanter Weise sind die Lämmer aus dem Ausland nicht mal wirklich billiger als Deutsche Lämmer. Der Schafhalter verdient daran genauso oder sogar wesentlich besser, da er eben nicht die ganzen Tierschutz-, Arbeitsschutz-, Umweltauflagen und Dokumentationswahnsinn hat, die wir hier zu Lande pflegen.
Meine Wunschforderung wäre, nach Deutschland dürfen nur Produkte importiert werden, die die gleichen Auflagen erfüllen mussten, wie sie hierzulande gelten.
Aber ich kehre zurück zur Schäferei.
Die Lämmer werden meist mit vier bis fünf Monaten aus der Herde sortiert.

2012, Lämmer zusammen gestellt von Border Collie Pace

Dies weil sie Geschlechtsreif werden. Man möchte natürlich nicht, dass die kleinen Böckchen ihre Mütter decken. Auch soll so ein kleines Lamm noch nicht gedeckt werden.
Dazu sind die Landschaftspflegeflächen oft karg. Sie ernähren ein Mutterschaf gut, sind aber nicht dafür geeignet ein Lamm zur benötigten Schlachtreife zu bringen.
So hat man ab Spätsommer nicht nur die täglich zu hütende Herde, sondern mindestens zwei weitere Gruppen, auf besserem Futter stehende, Lämmer. Und die sind Betreuungsintensiv. Nicht nur brauchen sie Wasser, Mineralfutter, Salz, intakte Zäune und ausreichend Strom. Auch brauchen sie perfektes Futter. Oft ist man nun auf Flächen von Landwirten, zur Nachbeweidung des Grünlandes oder auch auf Ackerfrucht. Ackerfrucht wie Luzerne oder Raps ist besonders kritisch, die Lämmer sollen zunehmen, fressen sie aber zu viel, bekommen sie Durchfall oder blähen und sterben sogar. So muss man jedes umstellen genau timen, nicht zu viel, aber sind sie zu leer, fressen sie sich auf dem frischen Stück zu voll... 

auf Raps

Mähwiesen dürfen nicht zu lang im Futter sein, Lämmer nehmen nur auf kurzem Gras zu.

Nachbeweidung von Mähwiesen

Und das runder werden muss man auch sehen.
Einfach ist das nicht.
Ich kenne Schäfer, die können die täglichen Zunahmen ihrer Lämmer sehen.
Anderen fällt erst auf, dass gerade was nicht stimmt, wenn die ersten richtig spitz über dem Rücken sind und hohle Flanken haben.
Dann muss man noch wissen, woran das nun liegt.
Wann war die letzte Entwurmung?
Während es oft reicht, die Herde ein, zwei Mal im Jahr zu entwurmen, müssen Lämmer viel öfter behandelt werden.
Auch da natürlich abhängig von der Häufigkeit des Flächenwechsels, der Flächen, der Witterung.
Und hat das Wurmmittel überhaupt gewirkt, oder gibt es dagegen Resistenzen?
Und wenn die eingesandte Kotprobe negativ war? 

der Befund

Stimmt dieses Ergebnis? Oder sehe ich im Kot der Tiere anderes?

am Tag darauf auf der Wiese

Überhaupt, Bandwürmer? Magendarmwürmer? Leberegel?
Oder ist es doch etwas anderes?
Liegt es am Futter? Oder der Witterung? Oder dem Futter in Kombination mit der Witterung?
Definitiv keine einfache Sache!

Winter 2010 kontrolle der Lämmer, sind sie zufrieden, werden sie Rund, kommen sie gut an das Gras


Winter 2010, ein paar Tage später, Wetter Verschlechterung, Lämmer werden auf geschützere Flächen verbracht

Und da ich, wie schon erwähnt, weiß Gott kein Experte bin, kann ich nur noch diesen Rat geben: Tauscht Euch mit Kollegen aus. Hört wie die es machen. Sammelt Eure eigenen Erfahrungen. Und tauscht Euch wieder aus.
Auch gibt es den Schafberatungsring, die Landesschafzuchtverbände, das Internet oder tatsächlich auch Tierärzte und Hochschulen die gutes Wissen haben und es weiter geben.
Viel Glück ein jedem mit seinen Lämmern!

Umtrieb der Bocklämmer

So, und jetzt erzähle ich von den Absetzlämmern in Hessen im November 2017.
Die Bocklämmer waren auf Luzerne fett geworden und sind schon fort, bis auf eine paar aufgestallte.
Draußen auf Mähwiesen sind die Mädels, 200irgendwas weibliche Lämmer, sowohl Nachzucht als auch Schlachtlämmer. Dazu eine Handvoll uralte Schafe, die eigentlich schon längst weg müssten, würden sie doch kein Lamm mehr bewältigen. Da sie aber besondere Lieblinge sind, dürfen sie noch bleiben ohne noch einmal belegt zu werden. Darunter auch Twiggi, die sich kaum noch wirklich auf den Beinen halten kann, zu kaputt sind ihre Gelenke. Ich bedaure das nicht wirklich, denn kaum ist sie einigermaßen fit, passt sie gerne Unaufmerksamkeit ab und rumpst einen von hinten um. Nein, zu meinen Lieblingen gehört Twiggie nicht.

Twiggie

So ein Trupp Koppellämmer ist nicht mit der wohlgeordneten Hüteherde zu vergleichen. Sie sind ein wilder Haufen, der gerne überall hin stürmt, nur nicht dahin wo sie hin sollen.

Wer nun denkt, die paar Alten würden etwas Ruhe hinein bringen, weit gefehlt! Die lassen sich von den Flausen der Jugend nur anstecken. Ungehütete Schafe verwildern schnell.
So muss der Hund sie mit Abstand und bedacht arbeiten, muss genau positioniert werden.
Die Lämmer werden täglich, manchmal auch öfter umgesteckt. So haben sie immer frisches, leckeres Gras zur Verfügung. Außerdem ist das Futter zum Teil etwas zu lang um sie richtig fett zu machen. So bleiben sie nur kurz drauf, dürfen sich das beste rauspicken. Das gefällt dem Bauern vermutlich nicht, hätte er es gerne schier, aber das ist mit Lämmern nun mal nicht. Und die Herde macht noch Auftragsbeweidung.
Neben den Mähwiesen sind viele Obstbaumflächen mit bestem kurzen Gras. Die können wir natürlich nicht einzäunen, da die Bäume zu sehr locken. Da das Gras und das Fallobst den Lämmern aber gut bekommen würde, hüte ich sie täglich eine Stunde.

Es sieht so friedlich aus, als wären die Bäume kein Thema

Das ist eine Herausforderung für mich und meine doch gerade unausgelasteten Hunde. Zu selten kommen wir zum Hüten.
Und so ist es aber auch genau das Richtige für meinen, nun zweijährigen, Altdeutschen Hütehund, Lillebror.
Lille steht unglaublich unter Strom, möchte unbedingt arbeiten. Wenn er dann los stürmt, bremse ich ihn sofort wieder ab, was ihn zuerst sehr verunsichert. Er bleibt bei mir, löst sich nicht, fienzt gelangweilt, wartet darauf, dass ich etwas sage, um dann wieder zu doll loszuschießen.
Ich bin etwas frustriert, hatte er doch schon so viel mehr gezeigt.
Doch langsam kommt er wieder ins laufen.
Der Vorteil einer so kleinen Herde ist, dass jede zu heftige Bewegung dem Hund direkt gespiegelt wird, dann steht er nämlich ohne Schafe in der Nähe in seiner Grenze.
Und ich habe den Vorteil, dass ich auf allen Punkten in und um der Herde schnell am Hund bin. Er kann gar kein Unsinn machen, ohne das ich direkt dran bin.
Was meine ich mit Unsinn?
In Lillebrors Fall sind es die Abspritzer. Die locken ihn.
Es hat seinen Vorteil, wenn der Hund auch Einzelne wahr nimmt, diese nicht komplett ignoriert. So wie meine Althündin Ylva, deren Fokus immer nur auf dem größeren Teil der Herde liegt.
Doch Abspritzer jagen ist ein totales Unding, reizt aber Lille ungemein.
Abspritzer sind Tiere, die, wenn der Hund am Weg direkt an der Herde entlang rennt, nicht in die Herde flüchten, sondern von dieser weg.
Wenn der Hund wieder weg ist, kehren die von alleine zur Herde zurück.
Da braucht Hund nicht hinterher, womöglich noch reinpacken.
Die Gefahr dabei ist auch immer, dass das Schaf dann ganz flieht, oder im Verkehr vor ein Auto rennt.
Ich weiß, es gibt so spezielle Lumpenschafe, die haben auch mal den Hund verdient. Aber das möchte schon ich entscheiden.
Lille weiß das.
Nur dieser Reiz...
Aber bei so einer kleinen Herde bin ich schnell vor Ort, mache meinen Standpunkt klar.
Auch die Außenseite üben wir wieder.
Lille hat kein Problem von sich aus weit raus zu laufen, bis auf die andere Seite der Herde.
Aber nicht zu mir kommen zu dürfen, findet er weiterhin unerträglich.
Da läuft er zwar die Grenze, ist aber nervös, angespannt und versucht sich wieder zu mir zu schummeln.

Lille unsicher in seiner Grenze

Und ich bin es auch. Was natürlich nicht gut ist. Lilles Eltern waren beides Hunde, die die Außenseite gehasst haben. Sie liefen nur gut beim Schäfer.
So ist meine Furcht, dass es mit ihm auch so kommt. Um so mehr will ich von ihm, immerhin ist er schon zwei Jahre. Also kann er doch auch mal in der Grenze bleiben, während ich ein paar Meter weg in den Schafen stehe.
Und dann Atme ich durch, schelte mich selbst.
Ja, es gibt die Hunde, die muss ich bremsen, nicht in die Selbstständigkeit der Außenseite zu verschwinden. Aber nicht jeder ist so. Und selbst bei Ylva ist es gekommen. Wie schrecklich fand sie es und wie selbstverständlich arbeitet sie jetzt draußen.
Ja, ich kann den Hund dazu zwingen, die andere Seite zu arbeiten. Aber das Vergnügen kann ich nicht erzwingen. Das kommt durch lösen, durch entspannen. Dadurch, dass der Hund selbst merkt, wie viel eigenständiger und selbstbestimmter er draußen schalten und walten kann.
Das kommt nur mit Zeit!
Also entspanne ich.

Lille wird ruhiger

Muss ich auch, denn meine Konzentration darf nicht nur beim Hund sein, auch die Schafe muss ich genau im Blick haben. Wehe, eines geht an Bäume. Schnell hin da. Wenn die Bäume zu verlockend werden, ist die Zeit um, geht es zurück in den Zaun.
Nach ein paar Tagen reagieren die Lämmer immer besser auf mich. Sie reagieren auf mein Rufen, achten auf die Ansagen von mir und den Hunden.


Beim ziehen lasse ich Lille und Ylva links und rechts auf Abstand laufen. So folgt das Herdchen brav.


Und dann müssen wir auf dem Weg zu neuen Gründen durch eine Engstelle im Wald. Der Weg ist dazu gerade hier sehr matschig. Die Herde stoppt, beäugt den Pfad. Lille habe ich vorne, Ylva ist hinter den Schafen. Ich rufe, es ist zu eng zum Hund schicken. Von hinten drauf Hauen möchte ich ihn auch nicht lassen.
Ich rufe.
Und da kommt sie, mühevoll vom Schlusslicht nach vorne geeiert. Twiggie läuft mir nach, zieht die anderen mit.
Ich Grinse breit über dieses alte Schaf.
Rauf geht es auf das neue Stück. Ich lasse die Schafe sich auf dem Grün verteilen, schließe den Zaun und lege meine dicken Klamotten ab. Der Trieb hat mich zum Schwitzen gebracht.
Mit den Hunden laufe ich zurück zur alten Fläche, baue Zaun ab, lade das Stromgerät und die Batterie, fahre damit zu den Lämmern.
Ich halte, blicke über die zufrieden grasende Bande.


Immer wieder ein Anblick zum darin ertrinken.
Ach, fahr noch ein Stück vor, dann musst du die Batterie nicht ums Auto schleppen.
Gedacht, getan.
Mist!
Da lagen doch meine Hütesachen.
Mist! Mist! Mist!
Hoffentlich nicht mein guter Hut.
Nein. Den Hut habe ich verfehlt.
Aber nicht die Teekanne.
Land Rover Defender gegen Stanley Thermoskanne.


Was soll ich sagen?
Dellen hat sie.
Mit Wärmebrücken.
Aber stört es mich wirklich, dass ich nun nach 8 Stunden nicht mehr 10 Minuten warten muss, bis der Tee trinkbar ist? ;)
Und dann ist die Weidezeit für die Lämmer vorbei.
Der Amtstierarzt des Kreises forderte Wasser und trockene Liegeplätze für die Nacht.
Das mit dem Wasser? Kein Problem, stellen wir eine Bütt mit Wasser hin, trinken tun sie um diese Jahreszeit bei so einem Wetter eh nicht.
Aber trockene Liegeplätze?
Im Sinne von, sie liegen nicht in Wasser oder Matsch, kein Problem.
Aber es regnet viel.
Es gibt keine Grundlage für diese Forderung.
Nur die Allmächtigkeit eines Amtstierarztes.
Kann er nicht Ställe kontrollieren? Aber nein, dafür rufen ja keine verweichlichten Wohnungsmenschen an.
Zum Glück weidet die große Herde in einem anderen Kreis, mit fachlich informiertem Veterinäramt.
Die Lämmer sind im Stall.

im Stall

Die Mastlämmer bekommen nun Kraftfutter und totes Gras, weil sie ja so viel glücklicher zur Schlachtreife gelangen.
Und die Nachzucht wurde aussortiert, ist nun wieder draußen bei der Herde auf frischem Grün.
Die Herde wird gehütet, so lange es frisches Grün gibt und Schnee nicht zu hoch ist.

die Herde im November 2017

Sonntag, 3. Dezember 2017

Dreimal Welpen




Bolle Socke

Genau weiß ich nicht, wie ich anfangen soll. Wie diese Geschichte erzählen?
Da war nun der neunte Todestag meines ersten Hundes und ich habe ihren Nachruf in meinen Blog gestellt.
Und doch war da noch ein erster Hund.
Nur leider sehr kurz.
Ich entschließe mich nun, 22 Jahre später, von ihm zu berichten.
Nicht um noch daran rum zu urteilen, oder hätte, könnte, wäre, zu diskutieren, sondern einfach, weil ich viel, sehr viel daraus gelernt haben.
Zurück in mein erstes Lehrjahr zur Schäferin im Winter 1994/95.
Damals, als ich am spekulieren war, welche der drei Hündinnen auf dem Betrieb wohl meinen Hund gebären würde.
Wie schon in dem Gipsy Nachruf geschrieben, kam es anders.
Die Hündinnen wurden alle zusammen im Januar hitzig, zu spät. In der Frühjahrsreisezeit wurde jeder Hund gebraucht, keine durfte dann mit Welpen liegen.
Und doch wurde es höchste Zeit, dass ich Auszubildende einen Welpen bekam, immerhin wäre ich schon im zweiten Lehrjahr, bis der dann mit zu den Schafen könnte.
So klemmte sich mein Meister ans Telefon um in Erfahrung zu bringen, ob ein Kollege einen Wurf Altdeutscher Hütehunde hätte.
Es fand sich ein Welpe, ein Rüde.
Eigentlich ist mein Meister der Überzeugung, dass ein Auszubildender mit einer Hündin beginnt, da die doch in der Tendenz leichter zu handeln sind als Rüden. Und doch fuhr er den Welpen holen.
Meine Aufregung war unglaublich.
Endlich, endlich! Mein Hund.
Und da war er, ein kleines, schwarzes, lockiges Kerlchen.
Mein Meister aber berichtete, das der Welpe mit seiner Schwester und Mutter zusammen in einem kahlen Zwinger gelebt hatte. Es hatte nicht mal eine Hütte oder wenigstens einen Tisch gegeben. So hatte die Mutterhündin keine Rückzugsmöglichkeit gehabt, was hieß jede Ruhepause musste sie mit Gewalt erzwingen.
Dazu hatten die Welpen so wenig menschlichen Kontakt erfahren, dass man den Welpen wie ein flüchtiges Kaninchen raus fangen musste.
Ich machte mich also daran den kleinen Bolle Socke, nach dem Kinderkosename einer Freundin benannt, zu zähmen.
Dies klappte augenscheinlich sehr gut. Er wurde ein netter, witziger Welpe.


Bis auf die Kleinigkeit, dass er nie mit Schnauze oder Kopf Kontakt zu einem aufnahm. Und dass er wegzuckte, wollte man ihm von oben auf den Kopf langen.
Bolle wuchs und da ja Winter war und damit kurze Arbeitstage hatte ich viel Zeit, mich mit ihm zu beschäftigen.
Als er älter wurde zeigte er sich immer Stressanfälliger.
Da ging er schon gut und selbstverständlich bei mir an der Leine, war aber Aufregung da, zog er panisch und wie verrückt. Aufregung bedeutete in dem Fall, dass wir alle Hunde des Hofes zwei mal am Tag zusammen auf der Hauskoppel „springen“ ließen. Den Weg dahin mussten sie lose um den Mensch gruppiert gehen. Wildes toben und voraus rennen wurden untersagt. Dies weil an der Koppel ein Fluss entlang führte, an dem manchmal auch ein Angler stand und der dann nicht von acht bis zehn großen Altdeutschen Hütehunden überfallen werden sollte. Junghunde kamen dabei immer an die Leine, da das weniger Druck für sie war, als sie unter ein Kommando zu zwingen.
Doch für Bolle war jede Art von Stress schon zu viel, führte zu totaler Panik. Dabei ging der Druck ja nicht gegen ihn, sondern war auf die älteren Hunde gerichtet.
Schlimmer noch, wenn er sich bedrängt fühlte. Dann ging er nach vorne und biss wild um sich. So geschah das auch z.B. bei einem Bad gegen Flöhe. Fünf Monate alt, und bereit mich ernsthaft zu verletzen.
Bolle Socke war sechs Monate alt, als mein Meister zu dem Schluss kam, dass dieser Hund zu viel für mich Anfänger ist. Er übernahm ihn und suchte ihm einen Platz auf einem Bauernhof.
Gipsy war zu dem Zeitpunkt 15 Wochen alt und seit 5 Wochen auf dem Betrieb. Sie war das Geschenk eines befreundeten Schäfer und nun wurde sie an mich weiter gegeben.
Ihre und meine Geschichte habe ich schon tausendmal erzählt.

Lillebror

20 Jahre später.
Eigentlich wollte ich keinen Welpen.
Erstrecht nicht von diesen Eltern, so gerne ich beide hatte und so hübsch sie waren, so wenig entsprachen sie dem was ich in einem Hütehund sehen möchte.
Doch der Wurf bot sich an und der Wunsch in meiner Familie nach einem Welpen („Alle haben immer Welpen, nur wir haben nur ältere Hunde!!“) war groß.

 
Aber auf kleinen Fall wollte ich einen Rüden.
Und dann sah ich die vier Welpen das erste mal im alter von zwei Wochen.
Der kleine Tigerrüde war es!
Auf den ersten Blick!


Nur war er schon vergeben, sollte meine Wahl ja zwischen den beiden Hündinnen stattfinden.
Zwei Wochen später der Anruf, dass die Rüdeninteressenten nun doch lieber den Schwarzen mit länger werdendem Fell nehmen wollten.
Damit war klar, ich bekomme den kleinen Tiger.
Lillebror, kleiner Bruder.
Geboren am 25. November 2015 durch Kaiserschnitt lebte er die ersten vier Wochen im Haus.






Doch als die Kerlchen aktiv wurden ging es raus in den Zwinger. Ein extra Welpengehege im Stall.




Marlis, die Mutterhündin konnte rein und raus springen, wie es ihr behagte.


Dazu liefen auch die Welpen frei, wann immer jemand am Stall war.
Überhaupt gab es viel Besuch, von Erwachsenen wie Kindern, die zum Welpenknuddeln kamen.




 Lillebror war immer etwas anders als seine Geschwister. Er war ruhiger, nicht so an die anderen angeschlossen und doch immer nah am Menschen. Genau das, was ich mir vorstellte.











Als Mutter Marlis und die Geschwister bis auf eine den Betrieb verließen, liebte es Lillebror, zu den Flaschenlämmern zu klettern, mit denen zu turnen oder sich unter die Wärmelampe zu kuscheln.


(Die Welpenbilder von Lillebror stammen von Michelle Berkel. Vielen, vielen Dank dafür! Sie waren und sind eine große Freude!)


Mit zehn Wochen kam er dann zu mir und band sich vom ersten Augenblick an mich.
Nicht einmal weinte er nach seinem alten Zuhause und trottelte mir auf Schritt und tritt hinterher, begierig unsere Welt erkundend.

ich schneide Klauen







Nun ist er zwei Jahre alt, ein wunderbarer, selbstbewuster junger Rüde. Da ich beide Eltern gut kannte, ist es sehr spannend, zu sehen, was er von diesen mitbringt und wie ich gewisse Anlagen erzieherisch beeinflussen kann. Auch ist interessant zu beobachten, dass er Dinge mitbringt, die keiner seiner Eltern hatten, die aber durchaus von Vorfahren schon gezeigt wurden. Aber dazu ein andermal mehr.
Herzlichen Glückwunsch zum 2. Geburtstag mein Lillebror.


Welpen

Diesen August gab es in meinem Ursprungsbetrieb ein Wurf Altdeutscher Strobelwelpen, zehn Stück an der Zahl.
Halt, halt, wer nun denkt, das wird die Geschichte eines dritten Hundes für mich, bloß nicht.
Nein, nein.
Ich habe keinen festen Betrieb, nicht die Notwendigkeit mehr Hunde zu halten, so viel komme ich nicht zum hüten. Zwei reichen in meinem unsteten Lebensalltag völlig.
Zurück zu den Zehn.
Draußen in Hütte und Zwinger geboren wuchsen sie zu properen kleinen Knäulen. Natürlich sind zehn für eine Hündin selbst mit so viel Milch wie Lilou ganz schön viel. Ab der 2,5ten Woche füttert man zu.
Als sie mobiler wurden, wurde ihre Zwingertür geöffnet und sie konnten sich auf großer Fläche frei bewegen.


Dazu hatten sie viel menschlichen Knuddelkontakt.


Auch wir sind extra dafür hingefahren, als die Welpen fünfeinhalb Wochen alt waren.


Nun ist bekannt, dass mein Vater sehr gute Altdeutsche Hütehunde im ursprünglich süddeutschen Schlag züchtet. Gute Weghunde, sauberer, druckvoller Griff, sich allen Anforderungen einer Wanderschäferei mit Begeisterung stellend. So geht der Interessentenkreis weit über Schleswig-Holstein hinaus.
Und da ich am Tag, als die Welpen 8 Wochen alt wurden, meine Oktoberfahrt nach Süden machte, bot es sich an, dass ich Welpen mitnahm.
Kein Problem.
Am Abend vorher war ich dann doch etwas besorgt. Nicht nur ist mein Auto mit Gepäck, zwei großen Altdeutschen und einer unzufriedenen Katze schon ganz schön voll.
Außerdem fragte ich mich, wie wohl 500 Kilometer rum gehen, mit weinenden, pinkelnden, kotzenden Welpen im Kofferraum.
Bisher hatte ich immer nur mal einen Welpen transportiert, dies dann auf dem Beifahrersitz, in nahem Kontakt zu mir.
Ist natürlich bei drei völlig unmöglich.
So hatte ich einige Vorbereitungen getroffen. Eine gut ausgepolsterte Box, jede Menge Ersatzhandtücher und Küchenrolle. Dazu Wasser, Schüssel, Trockenfutter und drei Leinen.
Morgens wurden die Welpen erstmal die 120 Kilometer zu mir gebracht. Das hatte gut geklappt, hatten sie doch ihren Vater und vertraute Menschen dabei. So tollten sie auch gleich unbekümmert bei mir über den Rasen.
Meine Hunde, Ylva und Lille, waren entsetzt.
Ylva dachte wohl: „Das ist jetzt nicht ihr Ernst!?!“
Lillebror hingegen, der mit seinen fast zwei bei fremden Rüden schon den Dicken macht, fand diese kleinen unbekümmert forschen Dinger so was von gruselig. Grummelte mit eingekniffenem Schwanz um immer aus dem Weg zu springen, als würden die ihm gleich in die Füße hapsen.



Doch es lag noch eine weite Strecke vor uns, alle eingeladen, auf geht’s.


Ja, die Lütten mussten einen Moment weinen. Aber nicht lange, dann waren sie ruhig.
Alle zwei Stunden machte ich Rast, dabei suchte ich einen Platz wo möglichst kein anderes Auto fuhr und ich wenn, es rechtzeitig sah.
Und es war echt irre!
Nicht nur waren die drei ohne jede Angst. Nein, sie banden sich auch sofort an mich. Eine Leine war gar nicht nötig.
Interessant fand ich dabei, dass sie sich eben mich aussuchten, nicht etwa Ylva oder Lille.
Typisch Hunde eben, der Mensch ist das wichtige.

meine Reisekatze findest das mit den Welpen noch fürchterlicher als meine Hunde

Verweilte ich etwas an einem Ort fingen sie an das drum herum zu erkunden, mit einander zu spielen, Kontakt mit meinen Hunden zu suchen, immer wieder unterbrochen mit der Rückkehr zu mir, auf mein Schoß zu krabbeln, zu kuscheln oder zu beißeln.
Waren sie so beschäftigt, musste ich sie nur rufen und sofort hatte ich ihre Aufmerksamkeit, kamen sie angewatzt.


Die Welpen waren mir nüchtern übergeben worden, aber natürlich hält das so ein Zwerg nicht den Tag durch. So gab ich ihnen etwas Trockenfutter in die Box und bei jeder Rast gab es Wasser.
Und tatsächlich, 500 Kilometer, ohne das einer gespuckt oder sich sonst wie ins Auto entleert hätte.
Am Nachmittag konnten die glücklichen Neuwelpenbesitzer ihre kleinen Lieblinge bei mir abholen und in ihr neues Leben führen.
Die Welpen haben mich wirklich beeindruckt.
Und doch bin ich froh, das Lille gerade zwei und Ylva erst sechs wird.
Ich hoffe sehr, dass sie mir noch lange erhalten bleiben!
Und nicht nur, weil mir so ein süßer Pups gerade zu anstrengend wäre.

Lille und Ylva tun ihren Job, ihr Hobby, ihre Leidenschaft, Oktober 2017