Sonntag, 29. Oktober 2017

Hüten, nicht hüten, Hüten im September 2017


In einer großen Schäferei mit tausend und eins Dingen zu Tun, aber nur einer Hüteherde gibt es selbstredend immer einen gewissen run auf das Hüten.
So praktizieren wir gerade Wechselhüten, einen Tag Hüten, einen Tag nicht, dann wieder Hüten.
Eigentlich hätte ich gedacht, dass so zu arbeiten, nichts für mich ist.
Ich mag es, mich in eine Herde einzuhüten, die Schafe, und wenn es nur ein paar Tage am Stück sind, für mich zu haben.
Doch obwohl es nicht der Rhythmus meiner Wahl ist, stelle ich schnell fest, dass er erstaunlich gut funktioniert. Wir Hüter sind in unserer Arbeitsweise ähnlich genug, dass ich nicht das Gefühl habe, die Herde an meinem Hütetag wieder neu auf mich einnorden zu müssen.
Natürlich kennen die Schafe mich nun auch schon seit zwei Jahren und, wie ich schon öfter erwähnt habe, ist das ein enormer Faktor.


Montag
Heute ist mein Hütetag.
Morgens gleich fahre ich den Wassertank im Auto füllen.
Am Hof mit Schlauch würde das eine Stunde dauern, mit einem an den Tank angeschraubten Feuerwehrschlauch und richtig Druck auf der Leitung habe ich in zwei Minuten 700 Liter abgezapft.
Als ich bei der Herde ankomme, schauen sie nur gelangweilt.
Ja, wir haben schon alle den Ehrgeiz, die Schafe abends richtig rund und satt zu haben.
Meine Altdeutschen Hütehunde, Ylva und Lille, sind das Gegenteil von gelangweilt. Ein Tag Hütepause und sie tun so, als hätten sie schon Wochen nicht mehr arbeiten dürfen.
Das Hütegelände ist durchzogen von Wegen. Das ist praktisch, so kann ich einen übermotivierten Hütehund in der Grenze „parken“. Leider sind diese Wege aber viel geschottert und Lille hat schnell die Pfoten durch. So ziehe ich ihm Schuhe aus dem Schlittenhundeversand an die Vorderpfoten. Auch die läuft er an einem Tag durch, was das betrifft, er würde auch noch mit offenen Pfoten laufen. Erst Zuhause würde er dann kaum noch krabbeln, bei den Schafen kennt er keinen Schmerz.


Ich öffne den Pferch und rufe die Schafe, mit den Ziegen an der Spitze trotten sie hinter mir her.


Kaum sind sie aus dem Zaun, mache ich mich ans umbauen, überlasse die Herde sich selbst.
Das Gebiet ist abgeweidet, es sind die letzten Tage hier. Das wissen die Schafe, es lohnt sich nicht irgendwohin zu drücken, so verteilen sie sich und fangen an zu fressen.
Nachdem der Nachtpferch umgebaut ist, fülle ich noch frisches Wasser in die Wannen und mache mich hütefertig.
Es ist mitte September und das Wetter ist plötzlich auf Herbst umgeschlagen. Wenn die Sonne raus kommt, ist man sofort in Schweiß. Aber jetzt ist es kalt, windig und sieht nach Regen aus.
So kommt das ganze Regenzeug samt Hut mit.
Hüten geht es, die Hunde freuts und auch die Schafe machen brav mit.
Den Vormittag vergnüge ich mich mit „Ecken aushüten“.


Überhaupt einer meiner liebsten Hütebeschäftigungen. Völlig egal ob in den Mooren Norddeutschlands, den kleinen Blumenwiesen des Südens oder hier auf den Hessischen Flächen, ich gucke nach den Ecken, den Rändern, da wo es schwierig ist die Schafe zum Fressen zu bewegen, da lasse ich sie weiden.


Ja, eine große einfache Wiese ist auch nett, Schafe drauf lassen, sie verteilen sich, Hund in die Grenze und Ruhe ist. Das macht Spaß als Abendabschluss, ein entspannter Moment des Müßiggangs.
Aber den ganzen Tag?
Ich würde vor Langweile vergehen, würde anfangen Muster in die Wiese zu hüten.
Nein, natürlich würde ich kein Futter verschleifen, aber vielleicht einen Zaun drum stellen und Heim fahren.
Erst nachmittags entlasse ich die Schafe aus meinem strengen Griff, sie dürfen sich verteilen wie sie möchten. Die Herde steht weit und frisst sich zufrieden rund.


Was war das für ein schöner Tag.
Solch Hütetage erfüllen mich, durchdringen mich.
Als ich abends ins Haus komme, werde ich gefragt, warum ich so strahle.
Erst gucke ich irritiert.
Aber es stimmt, ich strahle.
Warum?
Ich war doch hüten!
Ach so, ja.


Dienstag
Heute sollen die weiblichen Lämmer aus der Herde.
Die Bocklämmer stehen schon längst extra, sie sollen nicht ihre Mütter decken.
Die weiblichen durften länger mit laufen, doch nun wird es höchste Zeit. Die Böcke müssen in den Ritt und natürlich sollen die Nachzuchtlämmer nicht im ersten Jahr gedeckt werden. Außerdem gibt es stallnah leckeren Luzerneacker, auf dem sie noch besser zunehmen.
Heute morgen muss nun der Defender auch wieder heil sein. Zuletzt war die Untersetzung all zu oft in den Leerlauf gesprungen und so war der Land Rover zur Reparatur.
Ich werde bei der Werkstatt abgesetzt, fahre mit dem Defender Heim und hänge den großen, dreiachsigen Ifor Williams Hänger an. Nun baue ich die zweite Ebene ein und streue mit Stroh. Die Lämmer sollen ja eine angenehme Reise haben. Das man bei dem Williams die zweite Ebenen mit ein paar Griffen auf und ab bauen kann, weiß ich doch immer wieder sehr zu schätzen.
Nun geht’s raus zur Herde.
Die steht schon im Zwangspferch und die anderen sind dabei die Lämmer auszutrichtern.


„Zwangspferch“ ist ein birnenförmiger Zaunkreis, der in der Spitze in einen Trichter aus Metallhurden mündet. Der daran angeschlossene Gang ist genau so schmal, dass immer nur ein Schaf zur Zeit durchlaufen kann. Am Ende des Ganges kommt ein Türchen, das sich nach rechts oder links verschieben lässt. Die Schafe laufen zügig in den Gang, sind sie doch das Prozedere gewohnt und mit Hilfe des Türchens werden die Lämmer in einen Hurdenkreis sortiert. Ist der voll, entwurmen wir sie noch und dann dürfen sie auf den Hänger laufen. Auch das machen sie brav. Zwischen 60 und 70 Tiere bekommen wir geladen und ich fahre mit ihnen von dannen.
Das wird wohl drei oder sogar vier Touren geben.
Als ich die Mädels auf die vorbereitete Fläche entlasse, sind sie sehr unsicher. Alles fremd, plötzlich so wenige und dann keine Mütter mehr, dass ist schon etwas gruselig für so ein kleines Schaf. Doch sind sie über ein halbes Jahr, ein Alter in dem man schon sehr gut ohne Mama lebt. Bald überwiegt die Neugier und die Begeisterung für das leckere Futter. Schon nachdem ich gewendet habe sind sie alle am Fressen.
So vergeht mein Tag im Auto.
Die dritte Tour und es ist klar, ich bekomme nicht alle mit.
Stopfen möchte ich sie ja auch nicht, somit muss ich für die letzten 15 Tiere nochmal fahren.
Die stehen da dann auch etwas verloren, als ich wieder komme. Die Herde ist schon längst im Gehüt, nur sie warten da noch. Um so schneller habe ich sie auf dem Hänger und los geht’s.
Ich komme ein paar Meter und der Gang zur Untersetzung springt raus. Ich lasse ausrollen, möchte ihn wieder rein machen. Aber nein, ich kann den Schalthebel frei bewegen ohne dass er irgendwas greift.
Mist.
Ich telefoniere.
Immerhin, es sind nur 15 Lämmer auf dem Hänger, die bekommen wir auch anderweitig transportiert. Und doch muss ich nun warten, bis mich jemand holt.
So vergnüge ich mich mit Zäune und Trichter abbauen, morgen wollen wir das Gebiet wechseln.
Und endlich werden die 15 Lämmer und ich abgeholt.
Diese noch ausgeladen und Feierabend.


Mittwoch
Morgens fahren wir zu viert mit zwei Fahrzeugen raus zur Herde und dem invaliden Auto.
Der Defender wird so weit fahrtüchtig gemacht und zur Werkstatt gebracht.
Zurück bleiben ein Auto, der Azubi ohne Führerschein und ich.
Die Herde ist noch deutlich satt, so wollen wir die Strecke der heutigen Reise einmal abfahren.
Das Tor, welches vom Hütegelände führt ist zu und abgeschlossen.
Warum das denn??!!
Grummel!
Natürlich soll es immer zu sein, und wie oft hat es mich in letzter Zeit genervt, dass es offen stand.
Liegt es doch so, dass man da keinen Hund laufen lassen muss, ist es zu und ich hab es dann auch immer schnell, mit der Herde im Nacken, wieder zu gemacht.
Ja, aber jetzt ist es abgeschlossen und keiner unserer Schlüssel passt.
Erstmal telefonieren.
Der Zuständige für die Schafsbeweidung ist nicht zu erreichen.
Also fahren wir eben zum Hauptbüro. Ich frage mich durch, bis ich herausfinde, wer für das Verschließen des Tores verantwortlich ist und wo ich den finde.
Im Büro im Nachbarort.
Tatsächlich trudelt der auch, fünf Minuten nach dem wir angekommen sind, ein und hat einen Schlüssel für uns. Er ist zuständig für Tore und da das immer offen stand, hatte er ein neues Schloss dran gemacht.
Soweit so gut. Jetzt drängt es aber doch, dass die Herde auf Futter kommt.
Wir fahren zu ihr und ich weise den Azubi ein.
Er und sein Hund sind noch relativ Hüteunerfahren.
Doch das ganze Gelände ist abgefressen, was heißt, die Schafe drücken nirgends hin. Es geht also darum, die Herde in Ruhe zu lassen. Damit sie auf so abgelutschtem Futter noch fressen, darf man sie nicht stören.
Zur Not mach den Hund fest.
Damit lasse ich ihn alleine.
Bei dem anlernen von Auszubildenden halte ich nichts davon, die Leute wochenlang zum Hüten mitzuschleppen.
Das hat mehrere Gründe. Der egoistische ist sicherlich, dass ich einfach gerne beim Hüten meine Ruhe habe. Auch ich selbst war in der Ausbildung gerade mal drei Tage mit dem Meister mit.
Außerdem kann ich in der Zeit gut was anderes schaffen.
Aber vor allem, bin ich überzeugt, dass man doch nicht wirklich was lernt.
Schaut man als unerfahrener einem Hüter zu, sieht das alles total einfach aus.
Wie man das selbst bewerkstelligt, muss man sich selbst erarbeiten.
Nicht, dass ich jemand damit komplett alleine lassen würde.
Wichtig ist abzufragen wie es gelaufen ist, fragen zu beantworten, zu erklären. Dazu auch immer wieder den Lernenden zu beobachten, ihm Rückmeldung auf sein tun zu geben.
Und ihn dann wieder mit zu nehmen, je mehr man weiß, desto interessanter wird es, einen anderen bei seiner Art zu Hüten zu beobachten.
Doch dieses Gefühl, für all die Schafe verantwortlich zu sein, zu spüren, was für eine Macht die Herde hat, wie leicht das einem aus der Kontrolle gleiten kann, und dann doch wieder Lösungen zu finden, das kann man nur alleine erfahren.
So fahre ich zum nächsten Gebiet, ein alter Steinbruch. Auf der Fahrt achte ich auf den Weg und eventuelle Schwierigkeiten für die Herde.
Angekommen baue ich den Nachtpferch auf, vier Zäune im besten Futter, dass wird sie heute Abend freuen.
Dazu gibt’s wieder Wannen mit Wasser.
Als ich fertig bin kommt auch schon mein Kollege um mich abzuholen. Mein Auto lasse ich stehen.
Zurück geht es zur Herde.
Der Azubi hat sich wacker geschlagen, nur haben sie nicht wirklich gefressen. Was aber in dem Fall auch an den abgefressenen Flächen gelegen haben könnte.
Unser Kollege fährt vor, die große Straße sichern, ich übernehme die Herde und der Azubi läuft hinten drein.
Kaum sind wir durch das Tor vom Gelände explodiert die Herde.
Das abnehmende Futter der letzten Tage hatte sie brav und träge gemacht.
Nun ist alles frisch und grün, am Wegrand, die nächste Wiese. Schaf kann sich garnicht entscheiden, an was man nascht. Sie springen in alle Richtungen, rennen, hopsen. Beide meine Hunde müssen hart wehren um den Zug auf der Strecke zu halten.


Dann kommt die Straße. Mein Kollege hat die Autos angehalten, wir überqueren.
Auf der anderen Seite bleiben die Leitziegen stehen, fressen am Straßenrand.
Ich ziehe weiter, habe die Straße verlassen und sie wird für den Verkehr frei gegeben. Kollege und Azubi wollen weiter, haben noch eine lange Liste zu erledigender Dinge.
Doch da stehen auch noch die Ziegen.
Und ich sehe wie Böcki den Kopf hebt, auf die andere Seite der Straße zum vertrauten Betriebsauto guckt.
Dazwischen der nun rasende Verkehr.
Ich fange an zu schwitzen.
Nun bloß keinen Hund laufen lassen, ich rufe.
Die Ziegen überlegen noch einen Moment und folgen dann der Herde.
Aufatmen.
Aber weiter geht’s, zur linken beginnt ein Versuchsfeld mit lauter kleinen, kaum zehn Zentimeter großen, bis an den Wegrand gepflanzten, leckeren Pflänzchen.
Die Herde gebärdet sich weiter wie wild.
Doch auch die Hunde sind aufgeheizt von der Stimmung, arbeiten wie irre.
So kommen wir gut vorbei, auch an allen anderen Ackerfrüchten.
Dann endlich die Wiesen die zum Steinbruch führen. Es sind nicht unsere und wir sollen sie nicht beweiden, aber gemäht werden sie dieses Jahr auch nicht mehr. So macht es nichts, die Schafe drüber fressen zu lassen.
Ich lasse sie weit, bewege mich langsam, halte die Hunde im Zaum.
Da fängt es an zu schütten.
Mist!
Mein Regenzeug liegt bis auf den Hut im Auto.
Treibe ich nun die Herde an?
Nein, sie fressen so schön, etwas nass hat noch keinem geschadet.
Und schließlich kommen wir doch an, ich hole beim vorbei ziehen mein Regenzeug aus dem Auto. Wobei, viel bringt das jetzt auch nicht mehr, selbst meine Wanderschuhe sind durch.
Aber als sich die Herde weit auf dem frischen Futter verteilt, ich mich oben an der Abbruchkante auf den Umhang setze, stört mich das nicht mehr.
Zu schön ist der Anblick der friedlich fressenden Schafe und hinter ihnen, noch tiefer der blau leuchtende See der Kieskuhle.


Die Herde ist bald rappel satt und ich fahre in den Nachtpferch.
Lille lasse ich das erste mal beim Einfahren mir gegenüber, auf der anderen Seite der Schafe, stehen.
Und er macht seine Sache sehr gut.


Zaun zu, Strom an, Heim geht’s.
Feierabend.
Von wegen.
Wir müssen nochmal los, elf Brackschafe holen, die Morgen früh noch weg sollen.
Das heißt, zuerst den Defender aus der Werkstatt einsammeln. Damit fahre ich dann zum alten Hütegelände, den Hänger anhängen der da noch steht. Von dort geht es dann zu der Fläche auf der die Bracken stehen. Die hat mein Kollege schon in dem großen Rondell, nun müssen sie noch in den kleinen Hurdenkreis.
Rein da, Törchen zu. Ein paar sind auf und davon.
Lumpen!
Nicht gehütete Schafe verwildern einfach schnell.
Aber die, die wir haben, reichen.
Zwölf eingeladen und die Ohrmarken notiert.
Heim geht’s!
Feierabend!
Und sollte jetzt jemand Mitleid mit den armen Bracken haben, dann kann ich nur sagen, das gehört dazu. Ein weibliches Lamm das zum Mutterschaf in dieser Herde wird, hat es geschafft. Es darf ein gutes, schönes, friedliches Schafleben leben. Es wird erst gebrackt (zum Schlachten markiert), wenn es wirklich alt ist, zu alt um noch in der Herde mit zukommen, geschweige denn ein Lamm auszutragen. Oder natürlich sie hatte Euterentzündung und kann deshalb kein Lamm mehr aufziehen. Und selbst dann wird die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Jede Lammzeit gibt es wieder so ein paar Kandidaten, bei denen man sagt: „Ja, ja. Die hätte eigentlich schon weg gemusst.“
Und trotzdem fällt auch mir das Brackschafe einsammeln immer schwer. Aber heute war kein vertrautes Gesicht darunter.
Am Ende dieses Tages bin ich einfach nur erschöpft, müde und froh bald schlafen zu können.
Meine Hunden geht es nicht anders.
Gute Nacht.
Morgen wird wieder nicht gehütet.
Aber es gibt ja noch sechs andere Schaf- und Ziegengruppen die versorgt werden müssen und dazu noch Haufenweise andere Arbeit.
Zu Tun gibt es immer.
Und übermorgen darf ich auch wieder Hüten!


Freitag, 29. September 2017

Jungschäfertreffen mit Leistungshüten im Juli 2017


Jungschäfertreffen.
Ja, ich gebe es zu, so richtig hab ich da nichts mehr verloren.
Aber willkommen war ich trotzdem und auch nicht die einzige die nicht mehr ganz so frisch in die Welt schaut.
Gastgeber war die Schäferei Gerlach in Braunfels, die dies zum zweiten Mal übernahm und mit einem unglaublichen, ehrenamtlichen Engagement dafür sorgte, dass es ein rundum gelungener Abend wurde. Natürlich auch Dank der vielen freiwilligen Helfer und großzügigen Spenden von Firmen und Fachverbänden.
Um die sechzig Leute waren gekommen und genossen leckeres Essen, Getränke und Schäfergespräche.
Das Motto war „Wir malen unsere Zukunft“ und so gab es einen Impulsvortrag von Heinz-Gerhard Franz vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen zum Thema Hofübernahme. Das war wirklich sehr interessant.
Geschlackelt habe ich bei den Geldsummen die es zur Finanzierung benötigt.
Da sollte das Konzept und die Planung doch sehr genau sein, bevor man solch einen Schritt wagt.
Wobei ich damit keinen jungen Schäfer entmutigen möchte, seinen Traum zu verfolgen!
Für mich fällt mir da nur wieder der bärtige Satz ein:
Ich bin zu alt für diese Scheiße! (Bruce Willis at his best!)
Danach erarbeitete Dr. Ilona Gebauer von der Region.Marketing GmbH in Friedberg mit den Zuhörern die „Zukunftsfähige Schäferei 2017“.
Der Abend verging wie im Flug mit netten neuen und alten Bekanntschaften und all den spannenden und interessanten Schafthemen.
Wo wir doch oft als einsame Streiter gegen Windmühlen kämpfen, ist so ein Zusammentreffen einfach wichtig, fördert unser Selbstbewusstsein als Schäfer.


Das gleiche gilt natürlich für das Leistungshüten am nächsten Tag.
Acht Hüter waren gemeldet, unzählige Zuschauer, viel Fachpublikum aber auch einfach Interessierte waren zu gegen.


Dazu ein Stand der für das leibliche Wohl sorgte und zwei Stände die all das anboten was jedes Schäferherz höher schlagen lässt, sei es Ohrmarkenzange, Flaschensauger, Klauenmesser oder Anstecker, Hut und Schwarzhemd.
Leider sagte am Abend vorher der eine Richter unerwartet ab, so musste die Veranstalterin spontan einspringen und hatte nun zu der ganzen Organisation zu richten. Danke dafür und auch alles andere.
Aus der großen Merinoherde waren 250 gleichmäßige Schafe aussortiert worden, dazu ein paar Ziegen, bewusst all die Leittiere wählend und die Lumpen eben nicht.
Die Herde dieses Traditionsbetriebes wird jeden Tag, Sommer wie Winter mit optisch sehr unterschiedlichen Altdeutschen Hütehunden gehütet. Also beste Voraussetzungen für das Leistungshüten mit lauter fremden Hunden.
Einziger Nachteil, es ist keine Herde mit der Preishüten geübt wird, was heißt, sie werden praktisch gehandhabt. Beim Ausfahren wird der Zaun geöffnet, gerufen und dann losgezogen. Da brauchts keine enge Öffnung, keinen Hund am Eck.
Dazu ist es ein Schäferinnenbetrieb, eine Mädchenherde. ;)
So hatten es die Hüter dann auch nicht einfach.
Öffneten sie die zwei Felder, stellten den Hund ans Eck und riefen, kam kein Schaf aus dem Pferch.
Es blieb nichts anderes übrig, als den Hund weiter rein laufen zu lassen und ihn erst mit der anziehenden Herde (die Tiere bewegen sich zum verlassen des Pferches) an die Ecke zu positionieren.
Das war nicht leicht, besonders, da die Schafe wirklich nicht wollten.
So musste der Hund deutlich machen, dass sie zu Laufen hatten. Dieser Druck durfte aber nur sehr vorsichtig durch laufen und der Hundeposition erfolgen.
Wendete der Hund nun Gewalt in Form von Greifen oder Bellen an, kamen die Schafe natürlich sofort, das war ja eine klare und deutliche Ansage.
Gleichzeitig versaute man sich damit aber das weitere Hüten.
Schafe sind Gewohnheitstiere, sie mögen ein überschaubares, sicheres, behütetes Leben.
Jede Unregelmäßigkeit darin finden sie scheiße und reagieren dann mit Verweigerung. Was heißt, sie laufen zusammen, bleiben dicht beieinander stehen und verweigern das Fressen.
So ist ein Leistungshüten eh schon schwierig für sie. Ist dann ein fremder Hund zu drastisch, sind sie ab dem Moment auf totalem Habacht, besonders auch vor dem doofen Hund und verweigern noch mehr.
Ich selbst erinnere mich, dass ich Monate gebraucht habe, um genau diese Herde dazu zu bringen mir freiwillig zu folgen. Davon hatte ich schon mal berichtet, um so berührender ist dann, dass die Schafe ihr einmal gefasstes Vertrauen auch über längere Abwesenheit meinerseits halten.


Nun kann man sich natürlich Fragen, weshalb zwingt man Tiere zu etwas, was sie nicht wollen. Wozu ein Leistungshüten? Befriedigt das nicht nur uns Menschen auf Kosten der Tiere?
Ein Leistungshüten ist weit mehr, als ein sportlicher Wettkampf unter Schäfern.
Natürlich geht es auch darum sein Können zu messen und auch das ist wichtig, schafft es doch ein Augenmerk darauf, was alles möglich ist mit Hund und Schaf.
Jedes verletzende Verhalten von Hüter oder Hund wird mit sofortigem Unterbrechen geahndet, etwas, was ich aber noch nie gesehen habe.
Aber auch jedes gröbere Herangehen des Hundes oder genervtes, aggressives Auftreten des Schäfers wirkt sich auf das Hüten und die Leistung aus. Eben nicht nur durch Punktabzug, sondern durch unkooperative Schafe.
Leistungshüten sind der Anlass, bei dem sich Schäfer zum Austausch treffen, eine Kultur am leben erhalten, die älter ist als alt.


Eine weitere Frage die häufiger gestellt wird: Ist es überhaupt zulässig, Tiere zu etwas zu zwingen, zu dem sie keine Lust haben?
Immer öfter begegnet einem die Ansicht: Nein. Ein Tier muss ohne Zwang leben können, alles andere ist nicht Artgerecht.
Was beim Schaf hieße, Klauenschneiden, Entwurmen, überhaupt jede Krankheitsbehandlung sei Quälerei.
Die zwei Minuten im Jahr in denen das Tier geschoren wird, sei nicht zumutbar.
Und da das so sei, Schafe aber nicht ohne Schur leben können, da Wolle nun mal von Menschen so gezüchtet wurde, dass sie geschnitten werden muss, dürfte es keine Schafe mehr geben.
Klingt verrückt, aber die Tierrechtsorganisation die das fordert, tötet auch Hunde, um sie vom Joch der Menschen zu befreien.

Wer nun den Kopf schüttelt und sagt, ach, das sind doch nur ein paar Spinner, der verpasst unter was für einem Druck wir Tierhalter schon stehen.
Da gibt es Anzeigen, weil Schafe in ihrem natürlichen Umfeld der Witterung ausgesetzt sind.
Oder weil sie nur zur Tränke gehütet werden und nicht permanent rund um die Uhr Wasser zur Verfügung haben
Und ich frage mich, was das ist, was Menschen dazu bringt, mit Tieren mitzufühlen, genauer sich vorzustellen, dass wenn sie ein Schaf wären, sie doch darunter Leiden würden. Denn es ist ja kein wirkliches Mitfühlen, da es dem Tier in keinster weise schlecht geht.
Und warum geht es immer nur um Tiere, interessiert es irgendjemand, ob Menschen vielleicht zu lange Arbeitstage haben, ihnen Dinge zugemutet werden, die sie nicht mögen?
Aber nein, der Mensch, der ist ja der böse, das schlimmste Raubtier unseres Planeten. Mit ihm braucht es kein Mitleid, da wäre doch eine gewisse Reduktion sinnvoll.
Dann hätte die Natur die Chance zurückzukehren.
Der Mensch hat in der Natur nichts verloren, bedroht das natürliche Gleichgewicht.
Um da mal einen Zahn zu ziehen: Natürliches Gleichgewicht im Sinne von harmonischem Zusammenleben der Mitgeschöpfe gibt es nicht!
Es ist immer ein fressen und gefressen werden.
Geht es der einen Spezies gut, vermehrt sie sich so stark, bis es zur Überpopulation kommt und erscheint nicht ein Lebensraumkonkurrent, der besser ist, diesen auszufüllen, kommt Krankheit oder die Ressourcen brauchen sich auf.
Die einzige Spezies unseres Planeten die tatsächlich in der Lage wäre ein natürliches Gleichgewicht im Sinne vom harmonischem Zusammenleben der Mitgeschöpfe herzustellen sind wir Menschen.
Damit der Mensch etwas schützt, was nicht sein eigen ist, muss es ihm vor allem erstmal so gut gehen, dass er über den eigenen Tellerrand des Überlebens hinaus schauen kann. Und er schützt nur was er liebt und liebt nur was er kennt.
Zu glauben wir könnten den Planeten aufteilen in Menschenhochburgen und Natur ohne menschlichen Kontakt führt zu einer Entfremdung, einer Verarmung, die am Ende doch nur wieder zu Naturzerstörung führt.
Menschen die im Einklang mit Tier und Natur leben, und bei denen es nicht jeden Tag um die eigene Existenz geht, dass sind Menschen die unseren Planeten erhalten.
Wir Schäfer sind solche Menschen.
Wir pflegen und erhalten die Landschaft, schaffen Oasen der Erholung, auch für Städter.
Nicht nur, weil es ein vergnügen der Sinne ist über Schafweiden zu wandern.
Ich erlebe es immer wieder, dieses breite Strahlen auf den Gesichtern der Vorbeikommenden, wenn ich mit der Herde wandere. Dieses Daumen hoch und: „Toll das es sie noch gibt!“, „Weiter so!“, „Was für ein schöner Anblick!“.
Unsere Schafe sind jeder Witterung ausgesetzt und ja, manchmal ist das Wetter so hart, dass es den Tieren unangenehm ist. Aber das gehört zum Leben dazu, wer nicht die Kälte gespürt hat, weiß die Sonne nicht zu schätzen und wer nicht unter der brennenden Sonne gelitten hat, freut sich nicht auf die Kühle der Nacht.
Da unterscheiden wir uns kein bisschen vom Schaf!
Wir Schäfer wissen was wir unseren Tieren zumuten können und was nicht, wann schnelles Handeln gefragt ist.
Ja, wir entscheiden auch über Leben und Tod, essen unsere gehegten und geliebten Tiere.
Es gehört zur Natur dazu!
Nur wer in der Stadt lebt, seine Nahrung im Supermarkt kauft, kann wirklich glauben, dass der alleinige Verzicht auf tierische Produkte schaden von der Natur fern hält und Leben erhält.


Wer glaubt, dieses Thema wäre ein Randgruppenthema, der sollte sich mal mit Tierhaltern unterhalten. Natürlich berichte ich lieber über die Begeisterten, aber leider kann nicht nur ich, sondern auch jeder andere von Anfeindungen, Verdächtigungen und Anzeigen berichteten.

Nun bin ich ganz schön abgeschweift.
Kann passieren ;)
Um den Bogen zurück zum Hüten zu schlagen.
Auch dort, wo so viele Schäfer zusammentreffen, bleibt das leidige Thema der Gängelung nicht aus.
Ich unterhalte mich gerne mit Freunden und Bekannten, aber genauso gerne lausche ich Geschichten von Fremden. Ein Gespräch zweier Schäfer ist mir besonders im Gedächtnis hängen geblieben. Der eine erzählt, dass er ein Schaf draußen auf der Weide hatte, welches ein Bein gebrochen hatte. Ein engagierter Retter hatte sofort den Amtstierarzt verständigt, der vor Ort kam, als er das Schaf nach Hause transportieren wollte. Der Amtstierarzt empfand diesen Transport als Quälerei und verlangte das sofortige einschläfern des Tieres. Dem widersprach der Schäfer vehement. Das Bein sei behandelbar und außerdem ist das Schaf tragend. Der Amtstierarzt war aber nicht von seiner Meinung abzubringen. Schäfer bleibt Schäfer, so ignorierte er das Gezeter, lud das Schaf ein, fuhr es Heim, schiente das Bein und das Schaf konnte seine Lämmer aufziehen.
120,- Euro Strafe, wegen tierquälerischem Transport.
Daraufhin erzählte der andere Schäfer, dass er einen alten Hund gehabt hatte, der einen großen, nach außen wachsenden, inoperablen Tumor hatte. Noch war der Hund aktiv, so weit, dass er Lust hatte, mit zum Hüten zu kommen.
Hütehunde, die Jahrelang ihren Dienst an der Herde verrichtet haben, kann man schlecht in die Rente zwingen. Sie freuen sich wie Bolle, ihren Kräften entsprechend, mit raus zu den Schafen zu dürfen. Nicht, dass sie da noch irgendeinen Sinn erbringen, aber sie doddeln halt mit, schnüffeln hier und da und machen mal den dreisten Junghund zur Sau.
So auch dieser alte Hund.
Natürlich musste irgendwer das Anzeigen und der Amtstierarzt erschien, stufte das Leben des Hundes als qualvoll ein und verlangte die Tötung. Der Schäfer hatte noch versucht, das zu umgehen, in dem er den Hund versteckte und behauptete, er wäre schon tot. So kam der Tierarzt auf der Suche nach dem Hund...
Und da sind wir bei den Amtstierärzten, die absolute und willkürliche Macht haben.
Gleich vorne weg, es gibt sie, die Guten!
Amtstierärzte die sich tatsächliche praktische Fachkompetenz angeeignet haben, zu denen man als Tierhalter mit seinen Sorgen kommen kann, die einen mit ihrem Wissen unterstützen und die auf Grund ihres Fachwissens auch kein Problem damit haben, sich aufrecht gegen ahnungslose Anzeigewütige zu stellen, diese sogar mit ihrem bestimmten Wissen zur Ruhe bringen.
Leider, leider gibt es eben auch viele andere. Eingestellt weil sie sehr gute Zeugnisse haben, schnell durch Schule und Studium gekommen sind, immer noch ein überaus nicht überzeugende Messlatte für Qualifikation.
Fragt mal einen Tierarzt wie viel er im Studium zum Schaf hatte.
Ha, ha.
So brauche ich den meisten nicht Mal Böswilligkeit für ihre Drangsalierungen gegen Schäfer vorwerfen. Sie knicken einfach gegenüber den Tierretteranrufen ein. Und die gibt es in Massen. Doch nur weil zehn Leute eine Sache lauthals beklagen, heißt es noch nicht, dass sie falsch ist.
Ich erinnere mich noch an eine Situation, ich stehe beim Hüten, es regnet Bindfäden, mein Hut ist durchweicht, das Wasser läuft mir schon die Backen hinunter. Der Regen trommelt auf meinen Umhang, die Hunde haben unter diesem Schutz gesucht. Die Schafe stehen, den Hintern zum Wind, gelassen wiederkäuend, das stärkste abwartend.
Da klingelt mein Handy.
Wie das jetzt aus der Tasche kramen?
Mit klammen Fingern ziehe ich es aus der Jacke, schnell unter den Hut ans Ohr.
Es ist der Förster, er hätte heute schon sieben Anrufe bekommen, dass auf der einen Fläche, die ich von ihm habe, Schafe im Regen stehen.


Zum Glück ist der Förster ein verständiger Mensch und wir grummeln und lachen gemeinsam.
Ja, das ist, was ich mir von einem Amtstierarzt wünsche.
Sich über die Ansprüche der Tierhaltung informieren und dann für diese und deren Halter da sein.

Vielleicht noch als kleiner Tipp, für Menschen, die Missstände bei einem Tier entdecken. Der erste Ansprechpartner ist nicht der Amtstierarzt, es ist der Tierhalter selbst.
Wer den nicht gerade beschimpft, anschreit und mit Vorwürfen überhäuft, sondern nett, freundlich und interessiert fragt, wird im allgemeinen eine kompetente, erklärende Antwort erhalten. Es ist einfach so, dass wir Schäfer uns von morgens bis abends, oder schon besser von morgens bis morgens, nämlich rund um die Uhr, mit dem Wohl unserer Tiere beschäftigen. Selbst die Gespräche unter uns Kollegen gehen meist nur darum. So antworten wir auch gerne auf interessierte Fragen.
Ist eine Herde unbehütet und einem fällt etwas ins Auge, ist auch dann sinnig, erst einmal den Schäfer ausfindig zu machen, der freut sich über hinweise. Sind die Tiere die einem auffallen mit einer Farbe extra markiert, kann man sich entspannt zurück lehnen, sie sind bereits in Behandlung.

Ist ja gut, ist ja gut.
Ich kehre zu dem Leistungshüten zurück.
Es war eine Freude den unterschiedlichen Hütern zuzusehen.
Merinoschafe erwarten einfach eine gute faire Behandlung, sonst stellen sie das Fressen und Nachlaufen ein.
Somit muss man sie entschlossen und gleichzeitig mit Samthandschuhen handeln, will man ein harmonisches Gehüt mit fressenden Schafen präsentieren.
Als ich den Hütern zusah, kam mir die Lust es doch auch mal wieder zu probieren.
Nicht, dass ich gedacht hätte, ich könnte etwas besser, Gott bewahre, wirklich nicht.
Aber die Aufgabe würde mich reizen, gar nicht so sehr das Zeigen des Hundes, nein, mehr noch, die Schafe dazu zu bringen, in solch einer Situation mit mir zu kooperieren.
Damit ging der Tag auch schon zu Ende, der letzte Hüter pfercht ein.
Nun sollen die Schafe zurück zur restlichen Herde gebracht werden, eine Aufgabe für die ich mich gemeldet habe.
Ich hole die beiden Hunde.
Mein junger Altdeutscher Rüde, Lille, ist total überdreht und zappelig. Er hatte bis auf wenige kurze Auszeiten den Tag am Auto verbracht und das, wo er mich hat weggehen sehen, mit Hut und Schäferschippe.
Ich ging hüten ohne ihn!!
Wie konnte ich!
So habe ich ihn an der Leine, versuche ihm Ruhe zu zuzischen.
Am Pferch ist immer noch viel Publikum.
Und obwohl ich nicht mal weiß ob irgendwer in meine Richtung guckt, sackt mein Herz in die Kniekehle.
Ich werde so dermaßen aufgeregt, dass mein Hirn kaum funktionieren will.
Oh, du meine Güte!
Wie gut, dass ich mich nicht für das Hüten gemeldet hatte!
Ich verspreche mir sogleich, das auch niemals mehr zu tun.
Und konzentriere mich aufs ruhige Atmen.
Tief ein und aus.
Die Pferchöffnung ist links, ich muss aber nach rechts weg. Also mach ich da jetzt kein Kasperkram und öffne die ganze Zaunseite.
Die Schafe reagieren auf mein Rufen mit gucken, nicht kommen.
So muss ich Ylva, meine fünfjährige Strobelhündin, schicken.
Die steht natürlich auch unter Strom und fegt los.
Hoffentlich war sie hinten nicht zu hart!
Immerhin lässt sie sich auf dem Rückweg stoppen und die Schafe ziehen an.
Lille nerv nicht!
Keine Chance das ich Dich jetzt los mache!
Wir ziehen, um die nächste Kurve außer Sicht.
Geschafft, erstmal durchatmen, den Herzschlag beruhigen.
Krass!
Mit so einer Reaktion meinerseits hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
Immerhin muss ich doch so oft vor anderen mein Können zeigen.
Aber egal jetzt, weiter geht es, Lille nerv nicht.
Neben uns kommt eine Wiese, ich lasse Lille los, stelle ihn auf die Wiese.
So kann er erstmal etwas Dampf ablaufen.
Nun die Landstraße überqueren, kommt kein Auto, sehr gut.
Weiter geht es am Getreide entlang. Das finden die Merinos schwer verlockend.
Ich schicke Lille.
Er fegt los und stößt dabei laute Hiffel aus.
Wird er jetzt am Weg laut?
Ein lauter Weghund ist bei fremden Herden schwierig, versetzt er Schafe, die nicht einschätzen können, was da kommt, in Panik. Also nichts für Preishüten.
Im Schäferalltag ist es eine super Sache.
Lauter Weghund bedeutet, dass der Hund beim Schicken am Weg auf seiner Bahn an den Schafen entlang nach hinten bellt, bei manchen auch eher kreischt.
Dies hat den Vorteil, dass jedes Schaf weiß, da kommt der Hund und Gas gibt, der Herde aufzuschließen, die verbotene Frucht zu verlassen. So muss der Hund nicht so hart arbeiten, nicht so oft rennen. Dies natürlich nur, wenn er dann auch Konsequenzen folgen lässt. Ein Hund der nur bellt, wird nach kürzester Zeit von den Schafen nicht mehr beachtet. Und Schafe sind sehr gut darin, am Bellen zu hören, welcher Hund da kommt.
Letzteres Problem hat Lille nicht, er hat einen deutlichen Griff und auch die Bereitschaft, gegen ein Schaf, dass nicht zur Seite springt, einfach gegen zu rennen.
So muss er, während wir am Getreide entlang ziehen, genau zwei Mal laufen und die Nascher beschließen, das Risiko lieber sein zu lassen.
Nun geht es über ein kleines Wiesenstück in den Wald, steil den Hang hinunter auf einen schmalen Trampelpfad.
Die Schafe folgen mir aufgereiht wie Murmeln.
Neben uns ein kleiner Bach, über uns die großen Baumkronen.
Sonnenlicht strahlt durch die Blätter.
Ich wandere mit meinen Hunden vor der Herde.
Und da ist er!
Der perfekte Moment!
Es ist so schön! Durchdringt mich, erfüllt mich!
Das ist es!
Deswegen bin ich Schäfer geworden.
Für jetzt.
Die Schafe, die Hunde und ich.
Wir wandern durch den Wald.
Mehr braucht es nicht! 


Sonntag, 27. August 2017

Im Schwabenländle Juni/Juli 2017


Es ist sieben Uhr morgens und die Sonne fängt schon an zu brennen.
Höchste Zeit mit meinem Tagwerk zu beginnen.
Seit einer Woche bin ich nun als Urlaubsvertretung im Ländle, nicht mehr weit der Donau.
Die Altdeutschen Hütehunde am Haus dürfen aus ihren Zwingern.
Max, Bär und Susi begrüßen mich begeistert und ich schwinge mich aufs Fahrrad. Auf geht es zur ersten Morgenrunde.
Susi ist elf Jahre und Bär etwas über ein Jahr, beides Füchse.

Susi und Bär

Max ist bereits 14, ein kurzhaariger Tiger und er fasziniert mich sehr, hat er doch so viel von meinem Lillebror, nicht nur optisch.

Max
 Ist es das, was mich in ein paar Jahren erwartet?

Lille
 So weit will ich eigentlich noch nicht denken.
Nach dem die Hunde zu ihrer Zufriedenheit bewegt sind, reinige ich die Zwinger und versorge die Hühner, auch immer mit frisch gerupftem Grün.
Nun ist der Garten dran. Gießen, gießen, gießen.
Alles nass? Aufs Fahrrad und ab zum Stall.
Die Hunde in den Zwingern versuchen, wie es sich gehört, ihre Begeisterung zu unterdrücken.
Ich gucke erstmal in den Stall. Um die 20 Schafe mit kleinen Lämmern begrüßen mich lautstark. Naja, Begrüßen ist natürlich eigentlich das falsche Wort, es ist die Forderung nach sofortigem Hafer. 


Den fülle ich in Eimer und trage ihn über die Straße auf die Koppel. Dabei dürfen sich meine beiden Hunde Lille und Ylva die Beine vertreten. Ylva läuft ohne Hinken, sehr gut, die Pfote ist nach nächtlichem Zugsalbenverband und Antibiotikaspritzen wieder gut.
Die beiden kommen zurück in ihren Zwinger und ich lasse die Schafe aus dem Stall. Wildes Gestürme zu den Hafertrögen, ich scheuche Lämmer nach und verschließe die Koppel.
Nun sind Lucy und Bella, die beiden Altdeutschen Hündinnen dran. Bella ist hitzig und deswegen fahre ich getrennt von den anderen mit ihnen Rad.
Danach sind auch hier die Zwinger dran und natürlich der Stall. Wasser, Heu, Einstreu und die noch extra stehenden Mütter mit den Lämmern der letzten Woche.
Draußen brennt die Sonne schon gnadenlos und ich sehe zu, dass ich mit meinen Hunden zur Herde komme.
Weit ist es nicht, fünf Kilometer, idyllisch an einem See gelegen, erwartet mich eine kleine Herde Merinolandschafe. Schöne, runde, gleichmäßige Tiere, ein Stolz für jeden Merinoliebhaber.

Guten Morgen!

Das Hütegebiet ist klein, einfach und zusammenhängend um den See gelegen.


Ich muss keine Flächen wechseln, kein Wasser fahren und hab nur nach außen angrenzende Mähwiesen zu schützen.


Im Grunde leichtes hüten und für die Hunde fast schon langweilig. Wobei es ja die Außengrenzen gibt, einige sogar mit inneren Winkeln, die einen schon exakt arbeiten lassen müssen.


Auch muss ich sehr genau einteilen. Würde ich die Herde einfach laufen lassen, wären sie am ersten Tag über alles drübergeschleift, würden vielleicht noch einen zweiten Tag fressen und schon am dritten Hungern. Es soll doch aber zehn Tage reichen. So halte ich mich rigoros an den Grundsatz:
Hüten heißt Halten.
Ich habe das Gebiet in gedankliche Parzellen eingeteilt, jeden morgen lasse ich die Schafe zuerst auf der gleichen fressen, wie schon all die Tage zuvor. Langsam steigere ich von Stück zu Stück die Futterqualität. So fressen sie den ganzen Tag schön. Für abends gibt es immer noch etwas ganz frisches.
Auch heute morgen fressen sie brav.


Was für nette Schafe.
Nach den paar Tagen fangen sie auch immer besser an auf mich zu reagieren.
Solange ich nicht total unvernünftige Dinge von ihnen will.
So einen kleinen Haufen hab ich seit bald 20 Jahren nicht mehr gehütet. Die Schafe sind wesentlich beweglicher und feiner zu steuern, das macht mir richtig Spaß. Auch sind sie direkte, harte Altdeutsche Hütehunde gewohnt. Es gibt keine Nervosität oder Fluchtattacken vor meinen Hunden, im Gegenteil, wird auch schon mal geguckt, wie weit Schaf es treiben kann.
Um kurz nach zwölf ist es dann schon so heiß, dass es die Herde in den Schatten drängt. Brav laufen sie in das umzäunte Gebüsch. Keine Erinnerung mehr an das Drama des ersten Tages, als sie das Gebüsch als Fremd abgestempelt hatten und ich sie Schaf um Schaf hinein stopfen musste.


Ich schließe den Zaun, Strom drauf, Mittagspause.
Bevor ich Heim fahre, nehmen Hunde und ich noch ein kühles Bad.
Zuhause bereite ich mir mein Mittagessen. Extra für mich wurde ein Lamm geschlachtet und in Scheiben geschnitten. So brutzle ich mir jeden Tag Lamm. Einfach ein paar Scheiben in der Pfanne von beiden Seiten jeweils eine Minute scharf anbraten, dann ein halbes Glas Wasser dazu, Deckel drauf und eine viertel Stunde schmoren lassen, nach Wunsch salzen und pfeffern, fertig.
Dazu noch etwas Schmorgemüse und Salat, was der Garten oder die Biogemüsekiste so her gibt. Das kann ich echt immer essen.
Nach einem herrlich ersehnten Mittagsschlaf fahre ich um kurz nach vier wieder raus.
Die Abendrunde, die Zeit in der die Herde am besten frisst, beginnt.


So hüten wir bis ungefähr neun Uhr, damit auch alle Schafe kugelrund und satt sind, sich im Nachtpferch gleich zum Schlafen legen.
Die Hunde und ich gehen nochmal baden und fahren wieder Heim.
Schafe in den Stall, die Hundegruppen noch mal laufen lassen und füttern.
Nun ist es bald halb elf und ich falle zufrieden ins Bett.
Ein entspannter und natürlich doch langer Arbeitstag liegt hinter mir.

Ich genieße den Betrieb für mich zu haben, einfach in der Arbeit zu sein, angekommen zu sein.
Ja, der Anfang war etwas holprig.
700 Kilometer, einmal durch die ganze Republik ging meine fahrt.
Als ich dann wie per SMS angekündigt abends um 18.00 Uhr auf dem Hof stand war niemand da.
Natürlich nicht, waren die Schafe doch sicher noch nicht satt.
Also rief ich an, erreichte aber niemand.
Endlich, nach einer Stunde: „Ich bin grad mit Schafen und jungem Hund im Feld, ruf Dich später zurück.“ Aufgelegt.
Ich warte noch eine halbe Stunde und so langsam kommt es mir doch seltsam vor.
Über Handy krame ich meine Mails raus.
Und...
Kaltes entsetzen wäscht über mich.
Da steht, schwarz auf weiß, von mir selbst geschrieben, ein Ankunftstermin der erst in drei Tagen ist.
Warum tut sich der Boden nie auf und verschluckt einen, wenn man sich das wünscht?
Oh, wie peinlich!!!!
Was nun?
Am liebsten würde ich direkt vom Hof fahren, drei Tage später wieder kommen.
Ein Blick ins Navi sagt mir, dass meine nächsten Freunde 250 Kilometer entfernt wohnen.
Und, ja, es wäre einfach feige.
Da muss ich jetzt durch!
Natürlich kann ich nicht erwarten, ab morgen arbeiten zu dürfen, aber ich muss den Arsch in der Hose haben, dass jetzt anzusprechen, zu meinem Fehler zu stehen!
Und wie immer, wenn man schlimmstes erwartet, kam es ganz anders.
Es wurde sich riesig gefreut mich zu sehen und ich wurde herzlich in den Arm geschlossen, auch konnte ich gerne bleiben.
Die genau durchgetacktete Organisation hatte ich ordentlich durcheinander geschüttelt, aber es wurde neu geplant.

Nun eine Woche später, bin ich vielleicht noch nicht in der Lage darüber zu lachen, aber ich kann auch das Gute in meiner Palleaktion sehen. Und damit meine ich nicht, dass ich in Zukunft jedes Datum sicher fünf Mal prüfen werde, sondern auch, dass ich die Herde schon drei Tage früher hüten durfte.
So schön das Gebiet hier am See ist, spiegelt es nicht die eigentlichen Weideflächen wieder. Natürlich nicht, wurde doch für die Aushilfe das Gelände gewählt, das am einfachsten zu bewältigen ist.
Die ersten drei Tage waren richtig spannend. Die zu hütenden Stücke lagen zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen, waren winzig und verstreut. So erforderte es dauernde Hundearbeit und Konzentration. Die Wege dazwischen waren so schmal und uneinsehbar, dass man trotz der kleinen Herde zum Teil zu zweit sein musste, vorne einer mit Hund und hinten einer, um keinen Flurschaden zu verursachen.


Ich finde diese wahnsinnigen Unterschiede in der landwirtschaftlichen Struktur von Nord- zu Süddeutschland faszinierend.
Hier unten sind die Felder alle so winzig, da würde in Schleswig-Holstein kein Bauer seinen Schlepper aus der Scheune holen.
Naja, mit Gerät würde der auch schon nicht mehr auf die Fläche passen.
So beweiden Schafe die noch kleineren Eckchen dazwischen und Feldränder.


Oder kleine Naturschutzbiotope.


Oder Obstbaumreihen um die nicht gemäht wurde auf Heuwiesen.


Selbige Wiesen sind so bunt in ihrer Blumenpracht, wie es die Weidelgrassteppen im Norden schon lange nicht mehr kennen.
Als besonders Leckerli gibts dann auch mal eine frisch abgemähte Heuwiese.


Wasser!

Doch auch im Süden Deutschlands hält der Mais Einzug und wächst bereits auf jeder größeren Flächen. Noch kann man nicht Stunden durch Maiswälder fahren, aber es geht in die Richtung.
Als ich ankomme geht mir der Mais bis zum Knie, eine Woche später kann ich nicht mehr vernünftig aus dem Autofenster gucken.

Jeder der auf dem Land aufgewachsen ist kennt sie. Die Straßen, die die kleinen Ortschaften verbinden, sich Landstraßen nennen, aber doch eigentlich nur geteerte Feldwege sind.
Was für ein vergnügen, auf diesen zu fahren. Man kann sogar bei der Landstraßengeschwindigkeitsbeschränkung bleiben, ohne das es an Spaß verliert.
Die Musik so weit aufgedreht, dass man in der Stadt als der letzte Vollidiot gelten würde, legt man sich in die Kurven, rauscht durch deren inneren Winkel. Kommt einem ein Auto entgegen, wird in letzter Sekunde entschieden, wer wie weit die geteerte Straße verlässt. Die rechten zwei Räder knirschen auf Sand und Kies, man hofft, dass sich kein all zu tiefes Schlagloch unter den Pfützen verbirgt. Und wenn, gilt das Motto: Je schneller über die Löcher, je weniger huckelt es. Dann ist der Entgegenkommer vorbei, man zieht das Auto wieder hoch, springt auf die Fahrbahn und rein geht es in die nächste Kurve.
Der Mais hat dieses Vergnügen noch erhöht, sieht man nun erst in letzter Sekunde ob da jemand entgegen kommt.

Okay, okay, ich gebe es zu:
Ich bin zu alt für diese Scheiße.
Mit der weile fahre ich langsam und vorausschauend, kommt einer von hinten angehobelt, lasse ich ihn vorbei. Ein Spielverderber bin ich dann auch nicht.

Doch zurück zu „meinen“ Schafen und dem Betrieb den ich nun seit einer Woche für mich alleine habe. Den nächsten Tag ändert sich das Wetter und plötzlich habe ich mehr Luft. Morgens brauch ich nicht mehr den Garten gießen und die Herde frisst mittags länger. So fange ich erst um acht an, habe weniger Zeitdruck.
Und dann fangen die Schafe wieder an zu lammen. Es sind nur ein, zwei am Tag. Doch diese Heim zu fahren, einzeln zu stellen, zu beobachten, kennzeichnen, in die große Gruppe umzusetzen und die Einzelbuchten zu misten frisst Zeit.


Drei Tage vor Ende gebe ich abends das letzte Stück frisches Futter. Zuerst nur ein Teil. Doch nach einer Halben Stunde machen sie so einen Druck und Theater, dass ich ihnen auch den Rest überlasse. Ich erwarte von den Schafen, dass sie nun ruhig fressen. Immerhin ist das alles was es noch gibt. Aber nein, anstatt sich weit aufzustellen, laufen sie fressend hin und her. Damit ist mir klar, dass ich mein imaginäres Stück zu groß gemacht habe. Ich hätte es nochmal unterteilen sollen.
Kreiere ich ein Stück zum Abweiden, muss auch immer die Fläche zur Größe der Herde passen. Ist es zu groß und sie „verlaufen sich darin“ tun sie genau das, laufen. Und sind sie erst ein zwei mal fressend über das Stück getreten, besonders als Front, mögen sie das Futter nicht mehr so gerne.
Ich weiß, das widerspricht jetzt etwas dem, was ich erzählt habe, über die Herde in Bewegung hüten.
Aber was man wie macht, kommt eben immer auf das Gelände, die Herde, Futter und Wetter an und lässt sich daher schlecht in „So und nicht anders“ Regeln packen.
Die letzten zwei Tage vor dem mittäglichen Stellen erforsche ich mit den Schafen noch etwas das Gelände mit dem Gebüsch in dem der Mittagspferch steht. So haben sie vor der Pause noch etwas Frisch zum Knuspern.


Abends erweisen sich meine Befürchtungen als richtig. Wo sie morgens auf dem alten Futter noch fressen und fressen finden sie das frische überlatschte als Nachtisch nicht mehr wirklich attraktiv. Sie fressen zwar noch, aber nicht so, dass ich finde sie werden ausreichend satt um sie in den Nachtpferch zu stecken.
Aber es ist ja alles bestens organisiert. Und ich habe noch Ausweichflächen, auf der anderen Seite des Sees. Keine Wiesen, sondern Aufwuchs auf Abschiebungen. Frisch und schmackhaft, die Schafe freuen sich und bekommen so den letzten Kick. Lecker.


Feierabend.
Und damit ist meine Zeit im Ländle auch schon wieder um.
Die Urlauber kehren Heim und schicken mich mit guten Worten und leckerem italienischen Käse zurück in den Norden.

Es war Arbeit die mich zufrieden macht, mich erfüllt, die mich gute beschäftigte.
Und doch bin ich mir meines Luxus sehr bewusst.
Der Betrieb ist bestens organisiert und auf mich vorbereitet.
Ich hatte den ganzen Tag zu tun und habe doch so viele Dinge nicht gemacht.
Keine Zäune außer dem Nachtpferch gebaut, kein Wasser gefahren, keine Parasiten behandelt, kein Winterfutter gemacht, kein Weidetagebuch oder Bestandsregister geführt, keine Anträge geschrieben, überhaupt nichts an Papierkram, kein Stall aufgeräumt, keinen Weidewechsel vorgenommen, keine Schur organisiert, keine Lämmer geschlachtet und vermarktet.
Zum Glück stand auch kein Kontrollör auf dem Hof, der erwarte, dass man alles liegen und stehen lässt und nun mit ihm Flächen abfährt, vermisst, Tiere begutachtet, Schlachträume inspiziert, Bücher durchgeht. Gefühlt gibt es pro Betrieb einen Kontrollör, der gut bezahlt nach Stunden nicht anders macht, als Fehler zu suchen und zu ahnden.
Auch habe ich keine Hirtenhunde versorgt, keinen Wolfsschutz gebaut, keine Nachtwache gehalten.
Erst recht nicht habe ich das Haus geputzt, Reparaturen vorgenommen, eingekauft, einen Arzttermin wahr genommen oder mal Freunde getroffen.

Auch dieser Betrieb hat, wie eigentlich alle, in denen ich Aushelfe, trotz stattlicher Kinder keine Nachfolger.
Unter diesen Bedingungen, bei denen es sich dazu abzeichnet, dass es nur noch schlechter wird, will keiner mehr schäfern.
Die Hüte-Wanderschäferei stirbt.
Eine Jahrhunderte alte Kultur stirbt.
Eine Lebensweise stirbt.
Und nimmt vieles mit:
Das Schaf, letzte Nutztierart die noch in Freiheit lebt.
Hütehunde, deren Art Herden in kleinteiliger Kulturlandschaft zu hüten weltweit einmalig hier entstanden ist.
Mager- und Trockenrasen.
Heideflächen.
Moore.
Kulturlandschaft die Mensch und Tier und Nutzung in Einklang mit Natur bringt.
Es sind nicht nur Schäfer und Schafe die verlieren, es ist die Gesellschaft.