Sonntag, 12. April 2020

Von Wölfen und der Fantasy



Drei Wochen Schäferei und die Welt draußen verändert sich.
Natürlich lese ich und wir reden. Doch ich schaue kein Fährn (hi, hi) und irgendwie bleibt die anrollende Pandemie unwirklich.
Und dann geht es Heim, 670 Kilometer durch plötzlich leeres Land.
Zu einem Kind, das seit Anfang des Jahres offiziell keins mehr ist und sich sehr organisiert und informiert auf die Apokalypse vorbereitet hat.


Der Versuch, der von der Regierung empfohlenen Vorratslagerung, von dem genau auf Tage abgezählten Geld, dass ich da gelassen habe. Und doch sind wir runter auf eine Rolle Klopapier. Es war einfach nichts zu bekommen.
Beim Einkaufen am nächsten Tag trifft mich die ganze neue Realität.
Leere Regale, leise Menschen, die riesen Bögen umeinander machen und höflich warten.



Aber noch mehr trifft mich die Stimmung. Ich bin Schäferin, das spüren der Herdenstimmung ist mein Beruf. Und die Angst liegt wie eine Glocke über allem, macht die Brust eng, raubt die Luft zum Atmen. Noch stärker in meinen Träumen. Die ersten Tage vergeht kaum ein Morgen, an dem ich nicht Schweißgebadet aus Alpträumen von Ersticken in lichtlosen Räumen hochschrecke.
Ich beschließe zumindest bis nach Ostern zu Hause zu bleiben. Auch wenn das Kind sagt: Mutter, fahr, in der Schäferei bist du wenigstens sicher.
Nein, so rum läuft das nicht. Noch nicht!
Die Maßnahmen werden verschärft. Nur noch 2 Personen zusammen im freien. Das Kind ist erleichtert, endlich muss es keine Ausreden mehr erfinden, warum es nicht zu den Keine-Schule-Partys kommt.
Die Innerdeutschen Grenzen werden geschlossen. In Lübeck sind wir plötzlich wieder Zonenrand. Jeden Tag überquere ich für die Hunderunde illegal die Grenze.

von Kindern gebaute Brücke von West nach Ost

Das Spazierengehen auf dem ehemaligen Todesstreifen hat wieder eine erschreckende Realität.

ehemaliger Todesstreifen

Ja, über manche der Maßnahmen lässt sich sicher wundern, über Nachrichten von Corona und Strandpartys auch. Genau wie angezeigte Ordnungswidrigkeit für das alleinige Sitzen auf einer Parkbank, Denunziantentum oder Wohnungsstürmung, weil sich drei Personen treffen, anstatt nur zwei.
Und doch bin ich saufroh, dass wir die Kurve abgeflacht bekommen.
Dass die Krankenhäuser nicht überlaufen.
Dass uns Bilder wie aus Italien, Spanien oder New York erspart bleiben.
Und da ich viele, auch sehr enge, Freunde im Ausland habe, weiß ich wie gut wir es hier doch haben. Wir dürfen unsere Wohnung noch verlassen, wir haben Kündigungsschutz, verlieren nicht mit dem Job auch sofort unsere Krankenversicherung, haben ein Sozialsystem.
Ja, es gibt viel zu Verbessern und auch wir müssen wachsam bleiben, für unsere Demokratie, Pressefreiheit, im Gesetz verankerte Grund- und Menschenrechte.


Bitte bedenkt beim Lesen, dass dies alles nur meine persönliche Meinung und Gedanken sind.
Ich versuche Informiert zu sein. Und egal zu welchem Thema möchte ich auch die Gegenseite hören, versuche ein umfassendes Bild zu bekommen. Und selten ist meine Meinung in Fels gemeißelt, sehe ich schwarz oder weiß. Es gibt so viel grau dazwischen.


Am meisten beeindrucken mich Persönlichkeiten, die auch mal sagen, dass weiß ich nicht, das kann man so oder so sehen. Die, wenn sie einen Entschluss fassen, etwas Anordnen, mir die Hintergründe für ihre Entscheidung erklären können. Sich an die Front einer Entscheidung zu stellen und doch offen auch Zweifel und Ängste zu zugeben, bereit sein einzustehen und auch eine Änderung zu ermöglichen, zeigen sich neue Fakten. Das nenne ich Größe.


Doch genauso wichtig, wie Informiert zu bleiben, Fakten und Quellen zu überprüfen, ist mir, Medien, Nachrichten und facebook in meinem Leben zu begrenzen.
Ich gestalte mein eigenes Wohlgefühl!
Mich mit Negativem zu überschütten, verändert nicht die Welt, sondern mich!


So liebe ich es, mich mit schönen Dingen, Natur, Tiere, Musik zu umgeben, im Jetzt des Momentes zu versinken.


Oder in einem spannenden Buch lesen, das mich mit fort nimmt, alle Realität weit hinter mir lassend. In fremden Welten ertrinken, mit den Charakteren mit zu leben, deren Reise zu begleiten.


Oder die Geschichte gleich selbst zu schreiben.

Narla, die Wurzellose

Nun wurde mein Buch im Verlag Edition-Weltenschreiber veröffentlicht.
Es war ein langer Weg, bei dem ich wirklich sagen kann, der Weg ist das Ziel.
Kaum konnte ich als kleines Kind schreiben, fing ich auch schon an Geschichten zu Papier zu bringen und natürlich zu lesen.
Mein Lieblingsbuch war „Die Brüder aus der Höhle und das Mädchen Idis“ von Auguste Lechner. Ein Roman in dem Höhlenmeschen und deren zahmer Wolf mit dem Bronze Zeitalter konfrontiert werden.
Mit zwölf Jahren las ich Erik Ziemens „Der Wolf“ und alle anderen Fachbücher die ich zu Wölfen finden konnte. Dazu J.R. Tolkins „Der Herr der Ringe“, bis heute 16 Mal eingetaucht, auf ein Abenteuer mit alten Freunden. Dem folgte „die Belgariad und Mallorion Saga“ von David Eddings.
All dies inspirierte und verzauberte mich, brachte meine eigene, erdachte Welt zum ersprießen.
Eine Welt mit Wolfsgott, Zauberern und ihren Ringwölfen. Fern jeder Realität und doch waren die Hauptfiguren bodenständige, einfache Menschen, mit denen ich im Schreiben mit lebte.
So begann Narlas Geschichte, damals noch Momo, schon 1988, als ich gerade zwölf Jahre alt war. Mit Feuereifer schrieb ich auf der alten Schreibmaschine meiner Mutter, auf zwei Fingern, bis die Zeigefinger von dem harten Tastenanschlag bluteten. Das hat sich bis heute nicht geändert, der Tastenanschlag zum Glück schon.


Mein großer Traum war, Schriftstellerin zu werden.
Doch reichen Träume, Schreiben und Fantasie dafür nicht aus. Schulische Leistungen sagten recht deutlich, dass das sehr schwer zu erreichen sein würde. Ich war einfach zu langsam, Dinge zu hinterfragen, das Warum wissen zu wollen, hatte keinen Raum. Dazu meine Rechtschreibschwäche, die sich auf alle Fächer negativ auswirkte.
Doch noch träumte ich.
Es war in der 8. Klasse, als mich mein sehr verehrter Deutschlehrer fragte, ob er mein werdendes Manuskript einsehen dürfe. Oh, war ich aufgeregt. Tage des Bangen und Hoffen.
Schließlich hielt ich es nicht mehr aus, ermuntert von einer Mitschülerin, traute ich mich, zu fragen, wie weit er sei, wie er es fand.
Der Lehrer sah mich an, zog die Braun hoch, verdrehte die Augen. Ohne ein weiteres Wort gab er mir meine Seiten zurück.
Zeit erwachsen zu werden.
Zeit meinen Traum zu beerdigen.
Schriftstellerin.
Das ist der Traum eines Kindes.
Kleines Mädchen, das träumt Prinzessin zu werden.
Man wird erwachsen, wusste was Realität war.


Ich wechselte vom Gymnasium auf die Realschule, wesentlich passender zu meinen Leistungen.
Außerdem zog ich von meiner Mutter aus der Pfalz zu meinem Vater nach Schleswig-Holstein.
Schäferei.
Das wurde mein Zuhause, mein Leben.
Arbeiten mit Schafen und Hunden, immer draußen, all das hatte viel von der archaischen Welt meiner Fantasie. Meine Geschichte verließ mich nie. Meine Gedanken woben daran.
In meine Welt einzutauchen war weiterhin auch Flucht vor unliebsamen Dingen und besonders dem Gedankenkarussell, das uns doch alle so gerne des Abends am Schlafen hindert.
Und immer noch schrieb ich, nicht mehr auf der Schreibmaschine oder linear. Ich pickte einzelne Momente, notierte sie in meinem Tagebuch.
So stand bereits 1996 das Grundgerüst von Narla.


2007 verfasste ich eine 60 Seitige Kurzgeschichte als Hochzeitsgeschenk für Verwandte. Dies machte mir viel Freude und kam so gut an, dass ich dachte, vielleicht könnte ich doch mehr schreiben. Nur was?
Und da war mir schnell klar, dass ich als erstes Narla zu einem Rund verhelfen musste.
So fing ich an aus all dem, was ich seit meinem zwölften Lebensjahr geschrieben habe, einen Roman zu gestalten. Es musste neu geschrieben, Lücken gefüllt, Charaktere überarbeitet werden. Aus Momo wurde Narla.
2010 hatte ich den ersten Entwurf von Narla in der Hand, oder auf Computer.
Doch noch immer war eine Veröffentlichung jenseits meiner Vorstellung.


Dies änderte sich, als ich 2015 eine halbe Seite Text aus meinem Schäferalltag auf facebook veröffentlichte. Die Resonanz war überwältigend!
Schnell schrieb ich monatliche Berichte, die ihren Weg auch in den Schäferbrief des Bundesverband der Berufsschäfer fanden.
Eigentlich hätte ich es ja schon seit meiner Schulzeit wissen müssen, als ich meine Aufsätze vor der Klasse vortrug. Doch nun zu sehen, dass Menschen, die sonst nicht die Geduld aufbringen, einen Absatz zu lesen, mit Interesse und Begeisterung fünf Seiten und mehr von mir verschlingen!
Wow!
Viele können Rechtschreibung, nicht viele können Leser an ihre Worte fesseln.
Endlich!
Endlich glaubte ich daran, dass meine Narla es Wert ist, veröffentlicht zu werden.
Das ich es Wert bin!


Von hier dauerte es noch bis 2019 und viele Anfragen und Absagen später, bis ich auf den Verlag Edition-Weltenschreiber aufmerksam wurde. Da war auf der Internetseite eine Telefonnummer. Es vergingen wieder Tage bis ich den Mut hatte, diese anzurufen.
Entspannt wollte ich klingen, fröhlich, sympathisch!
Und das in einem Moment in dem ich gerade mit sieben, von der Winterpause gelangweilten Hütehunden im Feld unterwegs war. Ha, ha. Doch anders war in der Lammzeit einfach kein Moment zu einer vernünftigen Zeit zu telefonieren. Und irgendwie gelang es mir und ich durfte mein Exposé mit der 30 seitigen Leseprobe an Swetlana Neumann schicken, bekam das Versprechen, sie würde es prüfen und mir eine Kritik geben.
Diese Kritik war dann eine direkte Zusage! Unglaublich!
Der Traum des kleinen Mädchens!
Ich bin eine Autorin!


Und Schäferin.
Eine Schäferin die ein Fantasy Buch schreibt, in dem Wölfe Hauptrollen spielen.
Würde ich, heute hier aufgewachsen, die Dinge anders sehen?
Ich weiß es nicht.
Mein Fachwissen zu Wölfen hat mich sicherlich befähigt, die Anpassungsfähigkeit dieser Beutegreifer voraus zu sehen. Zu wissen, das Menschenscheu, natürliches Verhalten, Kehlbiss, frisst nur was er braucht, lässt sich von Zäunen und Hirtenhunden abhalten, doch Unwahrheiten sind und nicht einfach so funktionieren.
Ich stehe hinter der Weidetierhaltung als beste Form, das Leben des Menschen mit der Natur in Einklang zu bringen.
Wölfe, die den Mindestschutz überwinden, die sich ohne Scheu Menschen und dessen Tieren nähern, gehören entnommen. Völlig egal wie er sich dieses Verhalten angeeignet hat.
Mehr dazu findet Ihr auch hier:


Passt das zusammen mit meinem tiefen Respekt vor diesem wilden Tier?
Für mich schon.
Keiner zweifelt an, dass ich Hunde und Schafe liebe.
Und doch entnehme ich Schafe, die meinen sie könnten über Zäune hupsen.
Wir als Menschen sind die Verantwortung tragenden.
Der Wolf scheint mit seiner Präsentation von wilder, unberührter Natur doch all zu oft ein Sichtschutz und Trostpflaster für Menschen die jeden echten Kontakt zur Natur verloren haben. Dabei wird übersehen, dass der Wolf sich wunderbar in der industriellen Intensivlandwirtschaft zu Hause fühlt und da auch keine Bedrohung darstellt, gibt es doch keine Tiere mehr, die das künstliche Licht der Ställe verlassen.


Mein Buch spielt in einer von Menschen noch weniger, aber doch dominierten, technikfreien Fantasiewelt. Der Gott, nicht weniger fern als der unsrige, ist ein Wolf.
Wer nun auf eine intensive Konfrontation mit diesem Thema hofft, wird enttäuscht. Nie wollte ich eine Massage verbreiten oder Belehren, sondern einfach nur die Geschichte leben.
Oksidien in einer Welt, in der ich jeden willkommen heiße, sich Zuhause zu fühlen, einzutauchen, den Alltag hinter sich zu lassen.


Echte Wölfe werden nicht verklärt oder verherrlicht, doch respektiert.
Ha, ha.
Habe ich nun allen Seiten genug Stoff zum Hassen gegeben?
Dann hasse, wer es muss.
Ich bin in so unterschiedlichen, strukturellen Welten aufgewachsen, beobachte, wie wir alle in unseren Blasen leben, den anders Denkenden all zu oft verabscheuen. Nie habe ich irgendwo richtig dazu gehört, Abneigung bin ich gewohnt.
Und doch habe ich mich schon vor Jahren gegen das Hassen entschieden.
Gründe für Abscheu findet jeder. Aber Hass ist etwas, was ich mir selbst antue.
Es gibt keine Sache die Propaganda oder Hass rechtfertigt!
Verantwortung, Toleranz, ein waches Interesse an meinen Mitmenschen und, vor allem anderen, Liebe, können unsere Welt retten.
Liebe!



Hm, insgesamt scheint es mir diesmal ein etwas wirrer, unstrukturierter Text zu sein.
Doch so sind Gedanken, besonders persönliche. Sprunghaft, nicht erörternd.
So danke ich Euch, wenn ihr jetzt immer noch lest. Ha, ha.
Wir haben Ostern und ich würde den Text gerne als Ostergruß einstellen.
Ohne noch Ordnung rein zu bringen. Immerhin ist jetzt Karsamstag.
Dieses Wochenende wäre eigentlich unsere großes Familienfest.
Meine Großmutter, 91 Jahre, hatte als Neujahr Resolution, noch so lange zu leben.
Denn das Leben verlässt sie bereits, so schwach, so schwer an Luft zu kommen.
In meinem Buch schreibe ich ihr:
Mein erster Dank gebührt meiner Großmutter Mima. Du warst immer für mich da. Nun bin ich es für Dich!
Wegen ihr suche ich nach Arbeitsmöglichkeiten im Süden Deutschlands, besuche sie bei jeder sich bietenden Möglichkeit.
Und nun ist sie isoliert, eingesperrt in ihrem Zimmer. Keinen Besuch, kein Ausgang, der aus eigener Kraft auch nicht mehr möglich wäre. Wir telefonieren täglich und schreiben.
Ich habe diese unglaublichen Blumen von ihr bekommen.


Uns verbindet tiefe Liebe.
Werden wir uns je wieder sehen?
Ist dieser Zwang die richtige Lösung?
Müsste sie nicht selbst entscheiden dürfen?
Ich kann das nicht beantworten.


Für Euch alle ein schönes, besinnliches Osterfest!
Bleibt gesund, kümmert Euch um Eure Nächsten!
Seit für einander da!
Sollte es gerade zu viel sein, die Schleifen zu sehr ins negative driften...
Ihr seid nicht alleine!
Sich Hilfe zu suchen, ist Stärke!
Für jeden der noch in der Lammzeit steckt, fitte, runde Lämmer und fürsorgliche Mütter mit viel Milch.
Macht es gut, seht mir diesen seltsamen Bericht nach, es sind seltsame Zeiten!
Liebe Grüße
Anna




Bindung Softcover
Seiten 352
Maße 21 cm x 14,8 cm
Autor Anna Kimmel
ISBN-13 978-3-944879-81-9   


Mittwoch, 25. März 2020

Einer dieser Tage in der Eifel


Mitte Februar ist das Futter nicht mehr ganz so reichlich.
Nicht zum Sorgen machen, bei weitem nicht. Es gibt so viel Regen, ist so nass, dass der Landwirt nur vom Güllefahren träumen kann. Oder vielleicht ein U-Boot-Gülleverteiler?
So gibt es reichlich Flächen. Doch keiner glaubt noch an den harten Winter, an Frost der sich durch hohes Gras friert. So wollen sie keine Schafe mehr auf den fetten, grünen Mähwiesen.
Das kürzere, die filzigen Hänge, kein Problem.
Zäune bauen kostet in den buschigen Steilhängen richtig Zeit.
 


Auch auf den lehmigen Wiesen, wo sich jeder Schritt im Boden fest saugt.
Es ist so nass, dass der Tritt der Schafe sofort für Spuren sorgt, die Fläche schwärzt.
Hier ist es ein Segen, dass die Schäferei alt eingesessen ist.
Es ist nicht der Schäfer, der Futter rauben will, dem man nicht glaubt.
Die Landwirte wissen, das es nicht nur wieder nachwächst, nein, sie wissen auch, dass gerade der Vertritt dem Wachstum richtig Schub gibt.
Habe dafür ein paar Vergleichsbilder gemacht:

29. Januar 2020





26. Februar 2020 vier Wochen später



01. März 2020



15.März 2020, 2 Wochen später


04. März 2020




14. März 2020, 10 Tage später

07. März 2020

08. März 2020



09. März 2020



15. März 2020




Die Schafe scheinen das Grün zu inhalieren. Ich muss riesige Stücke netzen, im Schnitt 12 bis 15 Zäune pro Tag. Dazu hüte ich auf den nahen Flächen, bei denen es sich gar nicht lohnt oder gefährdete Obstbäume stehen.


Und damit werden die Tage schnell wieder lang. So ist es natürlich eine große Erleichterung Hüten und Zaunbauen zu kombinieren. Eine spezielle Herausforderung für die Hunde. Ich bin weit weg, zum Teil außer Sicht und sie sollen ihre Grenzen halten.
Ylva hat da wenig Probleme mit, sie arbeitet gerne die Außenseite, abgesehen von Faulheitsanfällen. Und ihr harter Rippengriff. Immerhin packt sie keine kleinen Lämmer, bis zur Schur. Nackige Schafe aber mag sie nicht anfassen, so schwenkt sie auf Lämmer um. Dann muss ich da scharf drauf gucken. Aber die Schur ist ja noch weit weg.
Doch auch hier gibt es ein paar alte und doch klein gebliebene Lämmer, viel Wolle, das greift Ylva gerne. Und sollte so ein Micker umfallen, macht sie weiter. Der letzte Zwischenfall war vor drei Jahren und doch lasse ich sie außer Sicht nur in sehr klaren Grenzen laufen. Nie würde sie einfach in die Herde schneiden, da kann ich ihr vertrauen.
Lille tut sich mit dieser weit entfernten Grenze wesentlich schwerer. Auch wenn er viel läufiger ist, niemals pausiert, mag er nicht gerne außer Sicht von mir arbeiten. So kommt er immer mal wieder gucken ob ich noch da bin, holt sich den Raunzer: „Gehst du zurück in deine Grenze!!“
Sollten die Schafe dies nutzen und übertreten, lässt er sie gewähren. Einerseits gut, da ich mir so sicher sein kann, dass er nicht irgendwelche eigenmächtige Gewaltaktionen startet.
Andererseits kann dann auch plötzlich die ganze Herde weg sein und ich muss rennen, sie wieder einsammeln.


Das ist immerhin leicht.
Die Schafe haben endlich mich und die Hunde als ihre Führer akzeptiert, folgen mir vertrauensvoll durch dick und dünn.


Am besten funktionieren Lille und Ylva in einer Grenze zusammen. Lille hat den Fleiß und mit Ylva die Selbständigkeit. Doch sind mir zwei Hunde zusammen so weit weg immer etwas unheimlich. So bin ich auf hab acht, lasse den Zaun auch mal fallen und laufe gucken.








Und dann dieser Tag.
Wir waren Gestern ein ganzes Stück gezogen.
Und für was? Eine Wiese von 6,5 auf 1,5 Zäune, der Weg parallel zu der kurzen Seite.
Heute soll es nun die Verlängerung geben, die ist noch länger und noch schmaler. Immerhin ist auf der kurzen Seite wieder ein befahrbarer Weg. Gegenüber dessen ist eine fette Neueinsaat und der Bauer empfindlich. Auf keinen Fall dürfen die Schafe da drauf!!
Am Abend noch hatte ich die noch übrigen sieben Zäune schon mal aufgebaut. Ein Netz parallel zum Weg, eins oben am Acker und fünf unten zu dem unbefestigten, grünen Feldweg (gelb auf der Karte und lila das, wo sie gerade noch stehen).


Aus dem Acker lugt das erste vorsichtige Grün, dahin verläuft ein fester, dreireihiger Stacheldraht über einer Hangkante. Normalerweise schon ein recht sicherer Halt für Schafe. Da ich aber meine Pappenheimer kenne, plane ich die Hunde hier hinter dem Stacheldraht laufen zu lassen. Auch für sie ist es eine eindeutige, gut zu haltende Grenze.
Morgens früh bei der ersten Kontrolle stelle ich schon mal das zweite Batteriegerät an den Eingang zur Fläche.
Als es später ans Aufbauen geht komme ich von der anderen Seite, baue schon etwas ab, bis mir die Schafe zu viel Matsch machen. Da lasse ich sie rüber, setze die Hunde in die Grenze.
Es ist Hang, der Boden nass und lehmig, es regnet, wie eigentlich immer die letzten Wochen. Es sind weite Strecken Zaun zu schleppen und nicht immer sehe ich Hunde und Schafe.
Doch Futter ist frisch, was sollte passieren?
Zwischendurch ereilt mich die What'sApp, dass die Leipziger Buchmesse auf Grund der anrollenden Corona Pandemie abgesagt ist.
Oh! So schade!
Da wollte der Verlag Edition-Weltenschreiber mein neu erschienenes Fantasie-Buch „Narla, die Wurzellose“ der Welt präsentieren. 


Ich baue Zäune ab, knobele im Kopf an dieser Botschaft.
Bis es mich trifft, wie lange hatte ich den Kopf nicht mehr bei Schafen und Hunden?
Schnell mal durch den Schlamm kämpfen, gucken. Die Herde steht ganz am anderen Ende, von mir gut 500 Meter, auf Klump. Da kann was nicht stimmen!
Ich eile, eile.
Quaatsch, quaatsch.
Beim Näherkommen sehe ich auch, dass das unmöglich alle Schafe sind, wohl eher ein kleiner Rest.
Und wenn sie da raus sind, trotz Zaun, dann stehen sie auf der verbotenen Neueinsaat.
Alles in mir krampft zusammen.
Oben den Weg herunter kommt ein Trecker.
Mein Herz sackt in die Hose, ich renne.
Der Trecker dreht um, fährt davon.
Auf dem Stück sind nur noch ungefähr 100 Tiere, viele kleine Lämmer, die nicht begriffen habe die Kurve durch den Ausgang zu laufen. Und ja, der Zaun dort liegt am Boden. Die restliche Herde sehe ich weit verteilt in der satten, grünen Neueinsaat.
Wo sind die Hunde?
WO?!!
Und dann sehe ich sie.
Tanzend und beißend um ein am Boden liegendes Tier.
Ich schreie, renne.
Da liegt es, ein älteres, aber mickriges Lamm.
Zerfetzt.
Tot.
Ich brülle, schreie, schluchze.
Doch habe ich Zeit mir die Hunde vorzuknöpfen?
Nein, denn immer noch sind da die Schafe, weit verteilt am Schmatzen.
Ich rufe, muss die Hunde arbeiten lassen.
Steuere die Herde zurück auf ihre Fläche.
Oh sind sie sauer, den Scheiß wollen sie nun wirklich nicht mehr!
Eisregen und Tränen in meinem Gesicht.
Der Zaun muss wieder aufgestellt werden.
Ich sehe schräg gegenüber des Ausganges eine weitere Schneise im Zaun.
Hier sind keine Schafspuren, im Stacheldraht hängen Büschel von Rehhaaren. Das Wild müssen da zwischen meiner Morgenkontrolle und später durch sein.
Das erklärt das Drama.
Doch hilft es mir nicht.
Und auch nicht dem toten Lamm.
Zeit es zu bergen.
Zeit meinen Boss anzurufen.
Auch wenn ich meine Stimme in keiner Weise unter Kontrolle habe.
Er kommt direkt gefahren, beruhigt.
Dieser Trecker war nicht von diesem Bauern und auch sieht man der Fläche nichts an. Spätestens nach dem nächtlichen Regen sind alle Suren weg gewaschen.
Vielen Dank.
Doch immer noch sind jede Menge Zäune zu bauen.
Und kaum ist mein Boss gefahren überkommt mich wieder das Schluchzen.
Hemmungslos, zitternd am ganzen Körper.
Ich arbeite und kann doch nicht aufhören zu weinen.
Die Schafe untermalen das mit lautem Protest.
Sie wollen besseres Futter!!
Plötzlich fühle ich einen rasenden, stechenden Schmerz in der linken Brustseite.
Schock!
Das ist nur der Schock!
Anna!
Jetzt krieg Dich endlich wieder ein!!
Ich versuche das Schluchzen unter Kontrolle zu bekommen.
Tief und langsam atmen!
Das war nur Panik!
Das Dir der linke Arm, die Muskeln über der linken Brust schon den ganzen Tag schmerzen kommt von der Anstrengung so viele Zäune zu schleppen!
Und doch, ganz überzeugen kann ich mich nicht.
So spreche ich, nur sicherheitshalber, eine Sprachnachricht für meine Kinder in den Handy-Speicher.
Tief ein und ausatmen.
Zaun bauen.
Ein kleines Lamm schlupft unter dem Stacheldraht durch, rennt außen hinter schon gebauten Zaun.
Das bekomme ich nur mit dem Hund gefangen.
Lille soll es holen.
Ich hatte erzählt, wie vorsichtig er dabei vorgeht.
Diesmal rennt er hin, packt es mit einem Griff, schüttelt.
Ja, er lässt sich auch sofort abrufen.
Und doch.
Habe ich mit einer Blödheit meinen Hund auf immer verdorben?
Eisern kämpfe ich gegen die nächste Heulattacke.
Weiter machen.
Es wird dunkel.
Irgendwann habe ich alle 23 Zäune stehen.
Ja, Schafe. Ich sehe, dass ihr sauer seid, dass ihr mit eurem empörten Gerenne das ganze Futter eingesaut habt.
Aber bis morgen müsst ihr nun ausharren.
Ich lade die kleine Leiche ein.
Es schmerzt mich so fürchterlich.
Wie muss es sein, die Herde nach einer Wolfsattcke vorzufinden?
Was für ein Horror!
Hör auf damit!
Keine Gedanken für jetzt!
Fahr Heim, bugsiere das Lamm in die Abdeckertonne, versorge die Hunde.
Heiße Dusche, ein Bier, ein warmes Mahl, Bett.
Ich schlafe um halb neun.
Am nächsten Tag fühle ich mich immer noch wie unter die Räder gekommen.
Doch wir müssen ein ganzes Stück ziehen und ich habe Hilfe mit den Zäunen.



Und so vergehen die Tage.
Lille zeigt nicht einmal mehr den mörderischen Griff und auch kein besonderes Interesse an einzelnen, arbeitet in seinem gewohnten Fleiß.
Ich bin vorsichtiger, ja. Doch kehrt das Vertrauen in meine Hunde und Fähigkeiten zurück.




Die Tage und die Arbeit, sie bleiben unverändert.
Nur von außen erreichen einen Nachrichten von der sich drastisch ändernden Welt.

An Euch alle!
Bleibt auseinander!
Unterstützt Euch trotzdem!
Und vor allem, bleibt Gesund!

Noch ein paar Hochwasserimpressionen











Und der Frühling kommt doch!